© Alex Gotter / Werk X

Kritik
12/20/2021

Werk X: Stöhnen in der Preßgasse und weiteres Ablenkungsdekor

Die Nöte eines Dramatikers: Ursula Leitner brachte im Werk X Meidling „Sherlock Holmes“ von Tex Rubinowitz zur Uraufführung

von Thomas Trenkler

Tex Rubinowitz hatte vom Werk X in Meidling den Auftrag für ein Stück, seinen ersten „abendfüllenden Theatertext“, erhalten. Doch dem Cartoonisten („Teletex“ im KURIER) und Bachmann-Preisträger dürfte kein Plot, nicht einmal eine relevante Aussage eingefallen sein.

Rubinowitz lieferte unter dem Titel „Sherlock Holmes“ einen Theatertext über einen Dramatiker ab, der sich allein schon mit der Frage quält, wie sein Theatertext beginnen könnte. Eine ähnliche Konstellation kennt man von Wolfgang Bauer. Und so spielt das Stück eigentlich im Oberstübchen des Dramatikers, der mit seinen zwei wenig profilierten Figuren launig Zwiesprache hält.

 

Da gibt es intellektuelles Namedropping und viel „Ablenkungsdekor“, absurde Miniaturen (etwa über einen stöhnenden Mann in der Preßgasse), billigste Kalauer („schlecht im Bett, aber gut am Bügelbrett“) und wunderbare Bonmots. Kieselsteine könnten sich nicht verstellen, heißt es da. Und die Symmetrie sei die Kunst der Armen.

Daniel Sommergruber tapezierte das Narrenkastl mit Textblättern und vielen Post-its aus; Wojo van Brouver, Annette Isabella Holzmann und Wiltrud Schreiner hasten bravourös durch die Textmassen; und Ursula Leitner bemühte sich mit Verve, das selbstreferenzielle Herummäandern unterhaltsam zu illustrieren – mit Pantomime und Tanz, mit der Musik von „Twin Peak“ und den Songs der Sparks, auf die sich Tex Rubinowitz bezieht, darunter „Sherlock Holmes“.

Man muss also schon vielen Fährten folgen. Aber mit einer Dauer von gerade einmal 70 Minuten ist die eifrig beklatschte Uraufführung nicht unbedingt abendfüllend. Außer man rechnet die Reise nach Meidling und retour hinzu.

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