Kultur
18.04.2017

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"More Life", der neu Wurf des kanadischen Superstars, besticht mit Sommerfeeling.

Keiner ist zurzeit erfolgreicher als Drake. Okay, es gibt da noch den Schmusesänger Ed Sheeran, aber den vergessen wir jetzt einmal. Hier zählt nur Drake. Der kanadische Superstar und skandalfreie Lieblingsrapper aller Schwiegermütter dominiert nämlich seit Jahren das Musikbusiness nach Lust und Laune. In den US-amerikanischen Billboard-Charts ist er Dauergast und seine Songs wurden via Spotify bereits über zehn Milliarden Mal gestreamt.

"More Life" heißt sein neues Werk, das 22 Songs beinhaltet, aber kein Album, sondern eine " Playlist" ist. Das ist Drake wichtig. Dem Hörer kann es egal sein, denn einige Nummern sind sicherlich das Beste, was man heuer im Popfach zu hören bekommen wird. "Passionfruit" wird wohl DER Sommerhit 2017 werden. Denn an den lockeren Housebeats, die mit einer luftigen Melodie Sommerfeeling verbreiten, kommt wohl keine Strandbar zwischen Caorle und Miami vorbei.

Drake räumt auf seinem Album – Pardon! – auf seiner Playlist dann auch Rap-Kollegen Platz ein. In "Glow" darf etwa Kanye West ran. Auch Jennifer Lopez ist ein Song gewidmet: In "Teenage Fever" träumt sich Drake an die Seite seines Ex-Gspusis und sampelt ihren Welthit "If I Had Your Love". Eine Playlist des Jahres.

Das übersprudelnde schlechte Gewissen der USA

Bräuchte es eines Beweises, das Rap derzeit übergeht an kreativen und handwerklichen Meisterleistungen, man müsste einen 29-Jährigen aus Compton vorladen: Kendrick Lamar rappt, performt, kurz: gestaltet seine kaputte Welt in einer Weise, die nicht nur Barack Obama Respekt abringt ("How much a Dollar Cost" bezeichnete der einmal als seinen Lieblingstrack).

Lamar hat nach einem spröden Skizzenheft ("Untitled Unmastered", 2016) am Karfreitag mit "DAMN" ein durchkomponiertes Album auf den Markt geworfen, das alles kann, was man sich im Jahr 2017 wünschen würde. Auch visuell: Das Video zur Vorab-Single "HUMBLE" lässt Lamar in einen Stilmix tauchen, den nur wenige unbeschadet überstehen. "Bitch be humble" pumpt er zum Refrain, der Künstler hat sich in päpstliche Gewänder gehüllt und steht in einem kathedralenartigen Raum.

All das manifestiert die Trias, in der sich der strikte Alkohol- und Drogenverweigerer bewegt: Bescheidenheit, künstlerische Gefechtsbereitschaft und der Verweis auf seine Liebe zu "normal" geratenen Menschen. Die mit Einzelworten benannten Tracks sind in Großbuchstaben gehalten: "BLOOD", " HUMBLE", oder "XXX". Letzerer ist eine Kollaboration mit – man höre und staune über dieses Amalgam – : U2. Eine raptechnische Offenbarung eines Mannes, der auszog, um die Welt zusammenzuschimpfen.