Wenn Opernhäuser kaum Oper spielen

Ein Schreibtisch mit Aktenordnern, einem Stempel, einer Kaffeetasse und abgelehnten Dokumenten, über dem ein Paragraphenzeichen an einem Spinnenfaden hängt.
Das fiktive Kulturamt belegt Reales: Die Kammeroper spielt an 150 Tagen 16 mal Oper, das Theater an der Wien 21 mal (plus drei konzertante Aufführungen).

Sehr geehrtes Kulturamt!

Ich habe gelesen, dass der ehemalige Intendant des Theater an der Wien im Zusammenhang mit der Kammeroper sagte, dass man sich bald nicht mehr fragt, was man dort spielt, sondern ob. Ich fürchte, er hat recht. Ich wollte im Februar hingehen, um zu sehen, ob die Kammeroper so gut ist, wie es immer heißt. Doch es gibt keine einzige Opernaufführung. Da kann man das Haus ja auch sofort zusperren statt erst im Sommer. Soweit mein Antrag an Sie.

Mit musikalischen Grüßen, A. P.

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Sehr geehrter A. P.,

vielen Dank für Ihren Antrag, dessen Einlangen wir hiermit bestätigen (Geschäftszahl 03/2026). Allerdings werden Sie von uns – unter normalen Umständen – kein Plädoyer für das Zusperren von Bühnen hören. Ganz gegenteilig sind wir der Ansicht, dass Theater dazu da wären, auch zu spielen.

Das Zitat, das Sie ansprechen, stammt übrigens ursprünglich nicht von Roland Geyer, sondern vom langjährigen Staatsoperndirektor Ioan Holender, der damit einst die geringe Anzahl an Vorstellungen im Theater an der Wien kritisiert hatte. Wir haben Ihren Antrag jedenfalls zum Anlass genommen, die aktuelle Lage bei Kammeroper und Theater an der Wien numerisch zu überprüfen. Ersteres Haus bietet im Februar tatsächlich keine einzige Opernaufführung, im März sind es dann sieben, da könnte sich ein Besuch ausgehen. Im April wird es schwierig, da gibt es nur eine Aufführung, im Juni acht. Danach ist Schluss.

Im Theater an der Wien wiederum sind im Februar fünf szenische Opernaufführungen sowie eine konzertante programmiert, im März ebenso fünf plus eins, im April gibt es den Frühlingsrekord mit sechs Opernabenden (also im Schnitt jeden fünften Tag), im Mai kann man fünf Mal Oper erleben (dazu 1 Mal konzertant).

Insgesamt spielt die Kammeroper also bis zum Ende dieser Saison (das sind noch 150 Tage) an 16 Abenden Oper, das Theater an der Wien an 21 (plus drei konzertante Aufführungen). Dazu kommen Konzerte als verdeckte Schließtage.

Nun ist uns im Kulturamt klar, dass im Stagionebetrieb Quantität wenig mit Qualität zu tun hat. Dennoch legt diese Aufschlüsselung nahe, dass Herr Geyer, einst übrigens Mathematiker, nicht unrecht hat. Allerdings sind wir geneigt, nicht dem amtierenden Intendanten Stefan Herheim die Schuld daran zu geben, sondern dem dahinterliegenden Polit-System sowie dem Apparat namens Vereinigte Bühnen, der Planungssicherheit erschwert. Zuletzt wurde das Theater an der Wien zum Opernhaus des Jahres gekürt. Behandelt wird es nicht dementsprechend.

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