Romy Schneider und Alain Delon 1968 bei Dreharbeiten zu "Der Swimmingpool“

© APA/AFP

Kino
09/08/2021

Warum die Franzosen den Film so lieben: Ma Chérie, ich bin im Kino

Frankreich trauert um Jean-Paul Belmondo. Das Land ist nicht nur Europas stärkste Filmnation, sondern das Kino und seine Stars werden hier so sehr geliebt wie nirgendwo anders

von Alexandra Seibel

Die Franzosen lieben das Kino. Was den Österreichern die Oper, ist den Franzosen der Film. Wer sich auf einer Party in Paris nicht blamieren will, muss über das neue Kinoprogramm Bescheid wissen, um mitreden zu können. Denn keine Nation in Europa nimmt die Filmkunst so ernst wie die Gallier. Für sie ist das Kino tatsächlich die siebente Kunst – und nicht bloß Popcorn-Vergnügen.

Das liegt sicherlich auch daran, dass die Wiege des Kinos in Frankreich steht: Die legendären Filmpioniere, die Brüder Lumière, zeigten ihre ersten Kurzfilme bereits im Jahr 1895. Die Franzosen verstehen sich als die Erfinder des Kinos.

Frankreich ist die stärkste Filmnation in Europa. Nirgendwo sonst gehen die Menschen öfter in die Lichtspielhäuser. Den Franzosen ist das Kino heilig. Es wird seit Jahrzehnten verteidigt, nicht zuletzt auch gegenüber dem Fernsehen. Traditionell dürfen am Mittwoch und am Wochenende keine Kinofilme im Fernsehen gezeigt werden: An diesen Tagen sollen die Leute gefälligst ins Kino gehen und sich dort die Filme anschauen!

Auch nach Ende des Lockdowns schossen die Besucherzahlen gleich wieder in die Höhe. Natürlich sind die US-Großproduktionen beim Publikum sehr populär, aber das französische Kino schützt seine starke Hausmacht auch gegenüber Hollywood höchst erfolgreich: Von allen Kinobesuche in Frankreich fallen jährlich konstant zwischen 35 und 45 Prozent auf französische Filme. Davon kann man in Österreich nur träumen, doch auch europaweit ist dies ein unerreichter Schnitt.

Die Liebe zum Kino ist allerdings nicht nur kulturell bedingt, sondern wird gezielt wirtschaftlich durch ein einzigartiges staatliches Fördersystem begünstigt. Seit 1948 werden die Einnahmen an den Kinokassen per Gesetz mit rund 11 Prozent besteuert, die gewonnenen Gelder fließen zurück in die heimische Filmbranche und unterstützen die Produktion, aber auch die Distribution: In jedem noch so kleinen Kaff in Frankreich findet sich ein Kino.

Kunst und Kommerz

Zudem ist der Export von französischen Filmen ein immenser Wirtschaftsfaktor. Schon das französische Nachkriegskino etablierte sich mit seiner „Nouvelle Vague“ als Hauptplayer des cinephilen Autorenkinos. So prominente Regisseure wie François Truffaut, Jean-Luc Godard, Claude Chabrol oder Eric Rohmer schrieben Filmgeschichte. Jean-Paul Belmondo selbst spielte die Hauptrolle in „Außer Atem“(1960), einem Schlüsselwerk der Neuen Welle. Danach wandte er sich zunehmend dem breiten Unterhaltungskino zu. Gemeinsam mit seinem Freund Alain Delon avancierte Belmondo zum populärsten französischen Schauspieler seiner Generation, etwa mit Gangsterfilmen wie „Borsalino“ (1970).

Belmondo selbst zeigte eine lässige Gleichgültigkeit gegenüber der Unterscheidung zwischen Kunst und Kommerz. Er spielte den anspruchsvollen „Pierrot le Fou“ ebenso wie Actionhelden in europäischen Blockbustern wie „Der Greifer“ (1976) oder „Der Profi“ (1981). Ohnehin finden sich die größten französischen Stars in künstlerischen Filmen genauso wieder wie in den großen Kassenschlagern. Man denke nur an Gérard Depardieu, der als „Asterix“ ebenso Furore macht wie in kunstvoll komponierten Dramen, etwa mit Isabelle Huppert in „Valley of Love“ (2015).

Sophie Marceau wiederum feierte gerade in Cannes ein Comeback in François Ozons neuem Drama „Tout s’est bien passé“. Ganze (Teenager-)Generationen haben ihre ersten Liebeswirren mit Marceau in „La Boum – Die Fete“ (1980) durchlitten, sich durch die Komödien von Louis de Funès gelacht, für Romy Schneider geschwärmt und Catherine Deneuve bewundert. Denn nicht nur die Franzosen lieben das französische Kino, sondern auch der Rest der Welt.

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