© Thomas Trenkler

Kultur
02/03/2022

Vom schändlichen Umgang des Kulturamts mit der Tschinellen-Fifi

Trenklers Tratsch: Zwei Reliefs von Maître Leherb aus 1959 fristen im Schatten des Pratervorplatzensembles ein unwürdiges Dasein.

von Thomas Trenkler

Vor einiger Zeit spazierte Josef Preihs, ein kunstsinniger KURIER-Leser, durch den Prater. Und er entdeckte, dass man mit zwei Keramikreliefwänden aus 1959 von Helmut Leherbauer, bekannt als Maître Leherb, schändlich umgeht. Denn bei der Errichtung des abstoßend kitschigen Vorplatzensembles im Jahr 2008 ließ man die Kunstwerke auf der Kaiserwiese außen vor: Sie bilden jetzt, völlig im Abseits, quasi eine Sichtbarriere zum dortigen Müllraum – und eignen sich bestenfalls als Pissoir.

Ihr Tratschpartner begab sich, von Preihs informiert, auf Lokalaugenschein. Und er fand alles bestätigt. Die Rückwände wurden mit Graffitis – darunter ein stolzer Penis – verunziert. Da man, vom Praterstern kommend, nur sie ausmachen kann, kommt wohl kaum einer auf die Idee, dass es in dieser G’stättn zwei herausragende Kunstwerke geben könnte. Es findet sich weder ein Hinweis auf die Reliefs noch eine Erklärung zum Künstler, der damals, in den 1950er-Jahren, richtig gut war. Die Infos zur „Tschinellen-Fifi“ und den anderen Szenen muss man daher googeln.

Der KURIER-Leser ärgerte sich aber nicht nur über den Umgang der Stadt mit den Reliefs, sondern auch über die Antwort auf seine Bitte an Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler, dieser Achtlosigkeit nachzugehen. Sie stammt von Daniel Löcker, einst Adlatus von Ex-Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) und Autor des Buches „Personalrekrutierung in politischen Büros“.

 

Er argumentiert, dass die Neugestaltung des Vorplatzes „ohne unser Wissen“ durchgeführt worden sei. Tatsächlich? Das Skandalprojekt der Stadt Wien kostete ja die damalige SPÖ-Vizebürgermeisterin Grete Laska 2009 den Kopf. Jedenfalls sei, so Löcker weiter, die Möglichkeit einer Versetzung der Kunstwerke danach „selbstverständlich eingehend geprüft“ worden, die Realisierung „jedoch an den sehr hohen Kosten“ gescheitert. Wiederum: Tatsächlich? Ihr Tratschpartner fragte nach: „Wann und von wem wurde geprüft? Gibt es ein Gutachten, aus dem ich zitieren kann? Und wie hoch wären denn die Kosten gewesen?“

Löcker verzichtete generös auf eine Antwort, delegierte die Arbeit an eine Referentin. Diese gestand ein, dass die Entscheidung bloß „mündlich im Rahmen einer Ortsbegehung“ gefallen sei. Alle weiteren Informationen blieb sie, trotz nochmaliger Nachfrage, schuldig. So viel also zum überheblichen Umgang des Kulturamts mit der Kunst im öffentlichen Raum.

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