Volkstheater Bezirke: Charlie Moor und seine Band lassen es krachen
Eine Band(e): Anton Widauer, Julia Edtmeier, Doris Hindinger.
„Die Räuber“, am Freitag in der VHS Brigittenau umjubelt, ist bereits die dritte Produktion, die das Bronski und Grünberg für das Volkstheater in den Bezirken realisiert hat. Sie geriet ähnlich schrill wie zuvor „Romeo und Julia“, sie setzt auf die gleichen Slapstick-Effekte, darunter die synchron aus dem Off eingespielten Geräusche. Und doch ist sie noch stringenter.
Wer die Tempo-Arbeiten der Bronski-Gründer kennt, weiß: Alexander Pschill und Kaja Dymnicki schöpfen gerne aus den 70er-Jahren. Es verwundert daher nicht, wenn Julia Engelmayer, am Volkstheater für die Wien-Tournee verantwortlich, vor Beginn der knapp zweieinhalbstündigen Vorstellung erklärt, dass die komplexe Handlung, frei nach Friedrich Schiller erzählt, von Franken in die USA der 70er-Jahre verlegt wurde.
Unter der neuen Direktion von Jan Philipp Gloger will man das Publikum, das eine Klassiker-Inszenierung erwarten könnte, nicht unvorbereitet vor den Kopf stoßen. Die zeitliche Verortung verwundert trotzdem. Denn auf der kunterbunten, praktikablen Bühne lösen Pilzköpfe in mausgrauen Anzügen eine Beatlemania aus. Eindeutig frühe 60er-Jahre.
"Die Räuber": Das Finale ist nicht ganz geglückt
Die Erklärung folgt alsbald: Der alte Moor ist ein Mogul im Unterhaltungsbusiness, dem schmutziger Rock missfällt. Seine Künstler bringen nur heitere Popsongs zu Gehör. Aber der geliebte Sohn Karl, der sich nicht einer Bande angeschlossen, sondern eine Band gegründet hat, emanzipiert sich: Verstoßen aufgrund einer Intrige mutiert er zum Rockstar nach Zuschnitt eines Robert Plant. Und seine Kumpels machen begeistert mit bei jeder Hotelzimmerverwüstung.
Julia Edtmeier wächst als „Charlie Moor“ mit blonder Mähne und sanft behaartem Bauch förmlich aus sich heraus, sie ergänzt ihren Revoluzzer sogar um Patti Smith. Anton Widauer zertrümmert unterdessen als Jethro-Tull-Mastermind Ian Anderson seine Querflöte, Doris Hindinger ergänzt als tumber Spiegelberg.
Franz, die Kanaille
Ihre Hauptrolle ist allerdings jene des „Papsi“, für den Jock Ewing aus „Dallas“ Pate gestanden haben dürfte. Dessen Sekretärin, die züchtige Amalia, zeichnet Widauer hinreißend als reflektierte, woke, sanftmütige Emanze. Franz, die Kanaille, schleicht als Schlange herum und stiftet den Musiker Stefan Galler zu Untaten an: Charlotte Krenz, herausragend im Mimenspiel, muss mittendrin loswerden, dass ihr die Rolle so gar nicht behagt. Natürlich mischen sich Gegenwartsbezüge (Handherzerl) in den Plot, aber es gibt auch etwas Original-Schiller und neben fetzigen Songs („Satisfaction“!) samt Platten-Scratching enorm viel zu lachen: ein wahrer Ingwer-Lemon-Shot!
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