Kultur
06.04.2018

Verwandlung auf Kirgisisch

Daniela Emminger hat einen infektuösen Roman geschrieben. Ihr Held war Larve und Raupe - fehlt noch der Schmetterling.

Pferdepeniswürste?
Na gut,  es gibt ja auch Fladenbrot in Kirgistan ... Die Oberösterreicherin Daniela Emminger hat sich dieses Land im Norden Chinas für für ihr Versteck- und Fangerlspiel ausgesucht.
Zwei Sommer war sie in Kirgistan und schrieb dort „Kafka  mit Flügeln“. Es ging ihr persönlich darum, „alles, was man einmal gewesen ist, hinter sich zu lassen. Menschen, Dinge, Kontinente.“

Theoretisch hätte sie sich auch nach Peru oder Kambodscha wenden können. Aber  Landschaft und Nomadenleben auf Sommerweiden beeindruckten sie mehr.
„Und halt das Exotisch-Schräge. Frauenraub, vergorene Stutenmilch, Post-Sowjet-Charme, politische Präsidentenwirren, Pferdepeniswürste und und und.“
„Kafka mit Flügeln“   unterhält. Das ist ja nicht nichts.
Daniela Emminger war im Kleinen überzeugender gewesen (= „Gemischter Satz“, 2016, dabei war das damals bloß die Geschichte einer Trennung).
In Kirgistan konnte sie groß sein, und das braucht sie gar nicht. Man findet jetzt bei ihr den Satz: „Die Gegend war unbeschreiblich schön ...“ Naja, auf 500 Romanseiten ist fürs  Beschreiben wohl genügend Raum.
Zunächst klang der Roman nach Liebe:
Unzertrennlich waren Sybille und Sarmat. Als sie 14 war, verschwand der 17-Jährige spurlos. Dass er Sybille schrieb, wurde von ihren Eltern geheim gehalten. Aber Eltern sterben, auch Sybilles Ehemann stirbt, und da findet die mittlerweile 40-jährige 36 alte Briefe.
Sarmat hatte erfahren, wer sein Vater ist, ein Kirgise, und zu ihm schlug er sich durch. Dann wartete er auf Sybille  (und wartete und wartete). Jetzt kommt sie . Es dauert allerdings, bis sie ihren Jugendfreund in einer Höhle wiedersieht.
Daniela Emminger hat diese Geschichte unterbrochen.
Ist der Roman in Bischkek angelangt, füllt sie ihn mit Schamanismus, mit Biologie und sogar mit etwas von Dan Brown inkl. Geheimcodes plus Geheimdienst.
Es wird insektuös, und das ließ leider keinen Platz für den Sprachwitz, mit dem diese Autorin früher so geglänzt hatte.
Sarmat wurde Schmetterlingsforscher – mehr: Er versucht, die Menschheit besser zu machen, und zwar mithilfe der Schmetterlingsseele.
Er experimentiert gerade an sich selbst herum. Deshalb hängt er in der Höhle.
Ei, Larve und Raupe war er schon ...
 Kann es trotz seiner freiwilliger Verwandlung gut ausgehen für Sybille und Sarmat? Optimistisch singt man  beim Lesen die Botschaft, die schon Peter Cornelius verbreitet hat:
„Denn es ist nie zu spät / für einen neuen Weg ...“

 

Daniela
Emminger:

„Kafka mit
Flügeln“
Czernin Verlag.
496 Seiten.
26 Euros.

KURIER-Wertung: *** und ein halber Stern