© Netflix/Gordon Timpen

Kultur
02/16/2021

"Tribes Of Europa": Düsterer Blick in (mögliche) Zukunft

Philip Koch, Regisseur und Drehbuchautor, über die neue deutsche Netflix-Serie "Tribes Of Europa".

von Marco Weise

Willkommen im Jahr 2074. Europa liegt in Trümmern. Schuld für den Zerfall war eine mysteriöse, globale Katastrophe, die die Union in Mikrostaaten, Stämme, sogenannte Tribes, aufgeteilt hat, die nun um die Vorherrschaft kämpfen. In diese blutige Auseinandersetzung geraten auch drei Geschwister – Kiano (Emilio Sakraya), Liv (Henriette Confurius) und Elja (David Ali Rashed)–, für die nach dem Absturz eines Flugzeuges (es stammt vom Tribe „Atlantier“) eine Odyssee beginnt.

Das Trio gehört zu den „Origines“, die jede Technologie ablehnen, da sie darin den Grund für den Untergang der alten Welt sehen: Sie leben zurückgezogen im Wald und ernähren sich davon, was Flora und Fauna so anbietet. Neben den „Origines“ und „Antlantier“ gibt es noch die „Crimson Republic“, die aus den Überresten der europäischen Armee besteht. Und die „Crows“, die ein diktatorisches System verkörpern, von einem gnadenlosen Expansionsdrang getrieben werden und andere Tribes versklaven.

Licht aus

Das ist die Ausgangslage der neuen deutschen Netflix-Serie „Tribes Of Europa“ (ab Freitag abrufbar), die auf einer Idee von Drehbuchautor und Regisseur Philip Koch basiert und von Quirin Berg und Max Wiedemann produziert wurde. Für Berg und Wiedemann ist es nach der erfolgreichen Serie „Dark“ eine weitere Arbeit für das Streamingportal.

Wie „Dark“ ist auch „Tribes Of Europa“ als Sci-Fi-Abenteuer angelegt, das mit düsteren Bildern, mysteriösen Ereignissen und unterschiedlichen Erzählsträngen ausgestattet ist. Es geht um einen Neuanfang nach einer Katastrophe, die im Dezember 2029 passieren wird. Die technologisierte Welt beginnt plötzlich, durchzudrehen: „Batsch! Licht aus und Finsternis“, sagt Schauspieler Oliver Masucci, der Moses, einen Einzelgänger, verkörpert.

Die Zeiten für eine Serie, in der Utopie und Dystopie gleichzeitig existieren, könnten kaum besser sein. Denn die Pandemie wütet, die Mutationen und Krisen werden nicht weniger: Überall düstere Zukunftsprognosen, die der Vermarktung von „Tribes of Europa“ gelegen kommen.

Brexit

Corona spielt in der Geschichte aber keine Rolle: Das Virus hat mit dem Zerfall Europas nichts zu tun. Das liegt daran, dass die Serie bereits 2019, also vor dem Ausbruch der Pandemie, abgedreht wurde. „Danach wurden wir von der Realität eingeholt. Denn 2016, als wir die Geschichte entwickelt haben, war ja nicht vorstellbar, was sich mit dem Virus alles verändern wird. 2016 wäre ein Weltuntergang eher durch Trump und Putin vorstellbar gewesen. Und dann war noch der drohende Brexit, der mich als überzeugten Europäer wirklich schockiert hat. Das waren die Konflikte, die damals präsent waren. Aufgrund dessen konstruierte ich ein Szenario über das Ende Europas“, sagt Philip Koch im KURIER-Interview.

Laut dem 38-Jährigen hatte der Ausbruch der Pandemie sogar eine positive Wirkung auf die Tonalität der Geschichte. „Als ich die Serie entwickelte, war die Weltuntergangsstimmung noch stärker ausgeprägt. Doch nachdem wir nun gefühlt den realen Weltuntergang erleben, haben wir das Thema ,Neuanfang‘ in der Postproduktion stärker herausgearbeitet. Die Serie wurde positiver und zugleich epischer.“

Ob dieser „postapokalyptische Western“, wie Koch die Serie nennt, auch so lange dauert wie „Dark“ (drei Staffeln), wird sich zeigen. Er und sein „tolles Team“ hätten zumindest vorgesorgt: „Wir haben bereits weitere Tribes entwickelt. Ich hoffe, dass die Reise weitergeht.“

INFO: Die sechs Folgen von „Tribes Of Europa“ sind ab 19. Februar auf Netflix abrufbar.

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