Quasthoff auf Kleinkunstbühnen (mit Michael Frowin)

© Deleted - 530514

Neue Töne eines Starsängers
02/04/2014

Neue Töne eines Starsängers

Thomas Quasthoffs Österreich-Premiere als Kabarettist: "Keine Kunst".

von Gert Korentschnig

Der fabelhafte Bassbariton Thomas Quasthoff beendete im Jänner 2012 seine Karriere als klassischer Sänger – mit dem Argument, seinen eigenen Ansprüchen nicht mehr genügen zu können (wofür ihm Hochachtung gebührt, weil er selbst in dieser Phase noch in Sphären agierte, von denen viele andere nur träumen können).

Dieser Logik entsprechend, dürfte Quasthoff bald wohl auch das eigene Schaffen im Kabarett-Fach selbstkritisch hinterfragen. Man darf auf das Ergebnis gespannt sein.

Einige Nachjustierungen wären jedenfalls nach dem ersten Ausflug in dieses Genre kein Fehler – diese ehrliche Analyse hat ein derart grandioser Künstler verdient.

In Salzburg war nun die Österreich-Premiere des Programmes „Keine Kunst“ zu erleben – in der ARGE Kultur, nicht weit von jenem Ort entfernt, wo Quasthoff als Minister in „Fidelio“ seinen ersten Opernauftritt hatte.

Gegen die Borniertheit

Mit dem Kabarettisten Michael Frowin als Partner und mit Jochen Kilian am Klavier wagt sich Quasthoff in das neue Fach. Wobei der Auftritt mehr als ein Wagnis ist: ein Statement für ein Überschreiten der Genregrenzen, für einen Aufbruch in andere künstlerische Welten und gegen die Borniertheit von Teilen des Publikums.

Noch ehe die Protagonisten die Bühne betreten, hört man vom Band einen Dialog zweier Besucher, die sich über Quasthoffs Körpergröße von 1,35 m lustig machen. Auch während des Programmes gibt es mehrfach selbstironische, stets kluge Bemerkungen, dass körperliche Beeinträchtigungen nur eine Frage der Perspektive seien. Dieser Mann hat Klasse, Format, Witz und eine enorme Bühnenpräsenz.

Die ersten Töne, die man von Quasthoff hört, sind gesungen und aus Schuberts „Winterreise“. Und die letzten von Sondheim: „Send in the clowns“ (leider nicht alle korrekt getroffen, was aber diesfalls nicht ganz so wichtig ist). Dazwischen brüllt er ein Chanson und singt Jazziges.

Die Geschichten, die er erzählt, sind teilweise scharf und entlarvend – am besten jene (nicht immer ganz neuen), in denen er den klassischen Kulturbetrieb ironisiert: „Was ist das: 83 Beine und fünf Zähne? Die erste Reihe bei einem klassischen Liederabend.“ Oder wenn er, mit Wiener Idiom, Foyergespräche wiedergibt.

Als Stimmenimitator zeigte er Qualitäten mit Helmut-Kohl- und Willy Brandt-Zitaten. Sogar eine Hitler-Parodie gelingt unpeinlich. Er zitiert aus misslungenen Kritiken („Die Stimme der Sopranistin klang wie ein Arschhaar: dünn und unsauber“). Es geht gegen das Fernsehen und die dafür zu bezahlenden Gebühren („Das Opfer zahlt dem Täter Schmerzensgeld“). Und im Duett mit Frowin gibt es feine Parodien.

Woran liegt nun das Problem? Daran, dass das Programm, geschrieben von verschiedenen Autoren, nur Stückwerk ist, keine Linie hat, manche Passagen zu oberflächlich sind, zahlreiche Gags zu billig. Phrasen statt Phrasierung, die Quasthoff so einzigartig beherrschte.

Einige Ziele des Spotts, wie Christine Neubauer oder Markus Lanz, haben diesen verdient.Wenn es gegen moderne Kunst geht, wird es klischeehaft, allzu konservativ.

Frowin ist ein seriöser Kabarettist und Quasthoff auch in diesem Fach ein intensiver Gestalter. Eine zwingende Botschaft, einen tieferen Sinn, ein klares Profil, eine Antwort auf die Frage „Warum?“ vermisst man aber an diesem bunten Abend.

„Lachen macht lustig“, heißt es einmal. Zumeist.

KURIER-Wertung:

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.