Thomas Mraz in Solo-Debüt: Ein unwiderstehlicher Normalo

Ein Mann mit Brille und Mikrofon steht mit ausgebreiteten Armen auf einer Bühne vor dunklem Vorhang, daneben ein Hocker mit Wasserflasche.
Schauspieler Thomas Mraz glänzt in seinem ersten Kabarettsolo „Mraz F1rst“ im Wiener Stadtsaal mit viel Körpereinsatz und Ideenreichtum.

Mit 50 Jahren stürzt sich Schauspieler Thomas Mraz („Aufputzt is’“, „Vorstadtweiber“) in sein erstes Soloprogramm. Bisher war er im Kabarett als Sidekick („Encyclopaedia Niavaranica“) tätig, oder im Sessellift-Monolog „Après Ski – Ruhe da oben!“, geschrieben von Klaus Eckel. Letzteren würdigt Mraz, als es darum geht, über das Sprechtempo von Italienern – und eben das von Eckel – zu scherzen.

Mraz geht es unwesentlich gemütlicher an und setzt auf hohe Pointendichte. Ähnlich, wie es das Klischee von Italienern behauptet, spricht Mraz viel mit den Händen. Thematisch findet sich der Verweis auf Trump („Mraz F1rst“) nicht wieder, Politik rangiert hier ganz weit hinten. Vielmehr bezieht sich „First“ auf sein Kabarettsolo Nr. 1 und darauf, dass es hauptsächlich um Mraz geht. Er schildert einige Lebensstationen (Schule, Heer, Ausbildung, AMS) und verquickt selbst Erlebtes mit frei Erfundenem. Die Zuordnung fällt mal leichter, bei der Schilderung der eigenen Geburt mit drei Wochen Verspätung – weil’s so gemütlich war im Wellnessbereich Mama inklusive Fruchtwasserpool und All-you-can-eat-Buffet. Manchmal schwerer, wenn eine AMS-Beraterin gleichzeitig Lungenzüge nimmt und Soletti mampft. Glorios ist, wie Mraz verschiedene Verbeugungsstile am Theater parodiert.

Ein Mann mit Brille und Mikrofon gestikuliert ausdrucksstark auf einer Bühne vor dunklem Hintergrund.

Thomas Mraz als AMS-Beraterin mit Zug zur Lunge.

Körperlichkeit

Der Favoritner, der sich selbst wie einst Jürgen Klopp als "The normal one" bezeichnet, setzt enorm viel selbstironische Körperlichkeit ein – um bei der Begrifflichkeit der Schauspielschulen zu bleiben. Für diesen Beruf lerne man am meisten vom Leben – und nicht in der Schule. Es sind die Alltagsbeobachtungen, die „Mraz F1rst“ zu einem gelungenen Abend machen, trotz Längen nach der Pause. Das führt etwa zu einer skurrilen Szene beim Nachtwürstler, in der die vier Hunderln eines Professors mit „Veltliner-Diät“ – den apokalyptischen Reitern ähnelnd – eine nicht unwichtige Rolle spielen. Auch eine Hauptversammlung im Kleingartenverein hat komödiantisches Potenzial, gelingt Mraz aber nicht ebenbürtig. Am Ende hat er das Publikum wieder straff an der Leine. Die Schilderung eines Thailand-Flugs sorgt für anhaltende Lach-Turbulenzen im Wiener Stadtsaal.

Nett, aber unwiderstehlich

Mraz’ Humor ist mehr nett als böse. Man sieht dem Komiker beim Steigen in diverse Fettnäpfchen aber sehr gerne zu – sicher auch in seinem zweiten oder dritten Programm. Gespannt darf man sein, ob der unwiderstehliche Normalo dann inhaltlich andere Akzente setzt.

KURIER-Wertung: ***1/2 von *****

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