Mit Thomas Maurer im Kopfkino: Tech-Bros und andere Ungustln

„Im falschen Film“ von Thomas Maurer: Das 21. Soloprogramm des Kabarettisten im Wiener Stadtsaal.
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Vor zwei Jahren schickte Thomas Maurer sein Bühnen-Ich ins Digital-Detox-Hotel. Auch sein neues Programm „Im falschen Film“ widmet sich der Zeitdiagnose, greift aber auf analoge Entstehungsbedingungen zurück. In einem von Maurers Gedankenspielen sitzen wir im Kinderzimmer von Elon Musk, „der hat sicher einen Fernseher g’habt, wahrscheinlich samt Videorekorder, die g’stopfte Sau“. 

Und dort hat der spätere Tech-Milliardär vielleicht zu oft das Bond-Abenteuer „Moonraker“ gesehen. Darin wollte der disruptive Superreiche Hugo Drax die Weltherrschaft an sich reißen und im Weltraum eine superintelligente Menschenrasse züchten. Klingt bekannt?

Noch mehr interessiert sich Maurer für die „Hirnideen“ eines anderen Tech-Bros: Peter Thiel, der einem Katholizismus ohne Nächstenliebe und anderem „Hippie-Scheiß“ anhänge. Thiel rechnet mit Armageddon. Der Antichrist (die UNO, die „Wokeness“ usw.) könne nur durch einen biblischen Katechon aufgehalten werden. Also klarerweise von Trump – oder von J.D. Vance, an dem Thiel die Mehrheitsanteile halte, wie Maurer sagt.

Bei Unfassbarkeiten wie diesen fühlt man sich tatsächlich wie im falschen Film. Der Hobby-Cineast versteht es, auch anhand von filmischen Zitaten aus Klassikern wie „Shining“, „Stirb langsam“ oder „Herr der Fliegen“ dieses Weltgefühl auf die Kleinkunstbühne zu holen – durch starke Soundeffekte darf man sich mitunter wie im Kino fühlen. Etwa wenn mit ohrenbetäubendem Knattern die Sprachpolizei angeflogen kommt, die einen „Man darf ja nix mehr sagen“-Ungustl hops nimmt, seines Zeichens Jugendfreund Maurers.

Ein Mann mit grauen Haaren hebt dramatisch beide Arme und blickt mit offenem Mund nach oben.

Thomas Maurer karikiert Männer mit Allmachtsfantasien.

Leichenschmaus

Die Szene, die vor Augen führt, wie absurd das Gerede von Denk- und Sprechverboten ist, spielt sich am Rande eines Leichenschmauses am Land ab, denn Maurer wechselt die Schauplätze und schafft wie von Zauberhand dazu Bilder im Kopf. Auch dann, wenn ein polnischer Pfarrer die ungelenke Predigt hält oder zwei Social-Media-Agenten bei einer Probe auftauchen, um den Kabarettisten zu erpressen.

An der Espressomaschine

Sehr entschleunigend – teilweise zu viel – wirkt es immer dann, wenn sich Maurer einen imaginären Espresso runterlässt und dabei ins Spintisieren kommt. Die Siebträgermaschine als Porsche-Ersatz in der Midlife Crisis – das ist nur eine von vielen Ideen, die Maurer in bedächtigen Schleifen serviert und plötzlich zu überraschenden Lachern führt (Regie: Petra Dobetsberger). Und am Ende wartet auch eine hoffnungsvolle Botschaft ans Publikum: Wie Gesellschaft trotz aller negativer Energie doch funktionieren kann.

Erneut erschöpft sich Maurer nicht in Pointendreschen, liefert dafür umso mehr großes Kino im Kopf.

KURIER-Wertung: ★ ★ ★ ★ ✪ 

 

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