"Die Katze auf dem heißen Blechdach" und die Hölle auf Erden
Verstörend sind die Stücke des US-Dramatikers Tennessee Williams auch noch mehr als 70 Jahre nach ihrer Uraufführung, wie „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ im Theater Scala zeigt. Das Stück erlangte in Richard Brooks’ Verfilmung mit Elizabeth Taylor und Paul Newman (1958) sechs Oscar-Nominierungen, Andrea Breth inszenierte es 2004 mit Gert Voss als Big Daddy im Burgtheater.
In der Geschichte einer Großgrundbesitzer-Familie in den Südstaaten ließ Tennessee Williams Verlogenheit, Heuchelei, Gier und Verzweiflung zur Literatur werden: Big Daddy feiert seinen 65. Geburtstag. Dass seine Krebserkrankung ihm nur noch wenige Monate gibt, wird ihm und seiner Frau zunächst verschwiegen. Vergeblich hat sich sein älterer Sohn Gooper (Boris Popovic) um die Gunst des Vaters bemüht. Jetzt will er nur noch dessen Besitz erben.
Aber der Patriarch mag nur Brick, seinen jüngeren Sohn. Doch der ehemalige Footballer und Star-Sportreporter hat sich nach dem Tod seines besten Freundes dem Alkohol verschrieben. Von seiner ansehnlichen Frau Maggie will er nichts mehr wissen. Während sein Bruder bereits dem fünften Kind entgegenblickt, hat Brick nichts vorzuweisen als die Gebrochenheit seiner Existenz.
Auf den Text fokussiert
Wie Williams Schicht um Schicht Abgründe freilegt, zeigt Felix Metzner in seiner auf den Text fokussierten Inszenierung. Robert Notsch hat ihm dafür ein helles Zimmer gebaut, das an das Szenario aus Brooks’ Film erinnert. Auch die Personenführung ist daran angelehnt, die lärmenden Kinder inklusive.
Samantha Steppan zeigt Maggie als eindringliche Person, die ständig auf ihren betrunkenen Mann einredet. Adrian Stowasser verkörpert Brick als passionierten Selbstzerstörer. Johanna Rehm überzeichnet die Schwägerin Mae ins Groteske. Wolfgang Seidenberg ist ein gefasster Big Daddy. Christina Saginth nimmt man ihre Emotionen als Big Mama ab. Der Rest des Ensembles schürt solide das Feuer in dieser Hölle auf Erden.
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