"Der gestiefelte Kater" im Rabenhof: Es geht auch ohne Grauslichkeiten
Wenn es im Saal plötzlich ganz still wird und alle vor Spannung erstarren, wenn der böse Zauberer kommt, nicht nur die Jüngsten, für die das Theater eigentlich gedacht ist, dann hat der Regisseur etwas richtig gemacht.
Solche Momente gab es im Rabenhof bei der Premiere von Roman Freigaßner-Hausers Fassung vom Märchen „Der Gestiefelte Kater“.
Der gewiefte feline Kerl fasziniert Kinder seit Jahrhunderten. Charles Perrault nahm die Mär vom „Meisterkater“ („Le Maitsre Chat ou Le Chat botté“) in seine Sammlung „Ma Mère l'Oye“ („Meine Mutter, die Gans“) auf. Die Brüder Grimm brachten es in der ersten Ausgabe ihrer Hausmärchen. Jüngere Kinobesucher konnten seinen Siegeszug in der Dreamworks-Verfilmung verfolgen.
Gleichberechtigung
Freigaßner-Hauser adaptierte seine Geschichte subtil für die Gegenwart und zeigt, dass Gleichberechtigung auch in einem oft als konservativ verschrienen Märchen möglich ist und auch ohne Grauslichkeiten funktioniert.
Das geht so: ein Müller beschließt, sich zur Ruhe zu setzen. Die Mühle will er seinem Sohn übergeben, weil das so üblich ist. Doch die Tochter begehrt auf. Sie will den Betrieb übernehmen, der Bruder soll weiter davon träumen, die Prinzessin zu heiraten. Überraschung: der Müller übergibt die Mühle seiner Tochter. Kater Kasimir wird dem Sohn anvertraut. Auch im Schloss hat das Patriarchat abgedankt. Die Prinzessin wird 18 und soll standesgemäß heiraten. Doch die Kandidaten, die ihr der Vater vorschlägt, lehnt sie ab. Wie im Märchen bekommt der Kater seine Stiefel und tritt seinen Siegeszug an. Er bringt den Müllersohn mit der Prinzessin zusammen, erledigt mit seiner Klugheit den bösen Zauberer und verschafft sich eine Bleibe im Schloss. Thomas Garvie hat für Freigaßner-Hauser eine praktikable Bühne aus bunten Wänden geschaffen, die sowohl eine Mühle als auch ein Schloss imaginieren lässt.
Alle im Ensemble spielen in Julia Klugs fantasievollen Kostümen mit echtem Engagement. Bettina Schwarz zeigt als Kater Kasimir, dass man weder Autoritäten noch Bösewichte fürchten muss, wenn man seine Intelligenz einsetzt. Edward Lischka ist ein sympathischer Müllersohn.
Wirklich köstlich stellt er Bruno, den französischen Koch am Schloss, dar. Clara Lou Kindel ist eine selbstbewusste Märchenprinzessin, die auch gut singen kann. Bernhard Majcen verwandelt sich eindrucksvoll vom eitlen, betulichen König in den echt dämonischen Zauberer Ambrosius. Raphael Rameis (Musik) bringt den Kater mit Verve zum Rocken. Jubel für alle!
Susanne Zobl
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