Sydney Sweeney in "The Housemaid - Wenn sie wüsste": Der rattenscharfe Engel
Sydney Sweeney als Hausmädchen: "The Housemaid - Wenn sie wüsste".
Eigentlich ist Regisseur Paul Feig berühmt für seine Komödien, von denen „Brautalarm“ mittlerweile zu den Klassikern des Genres zählt. Insofern braucht es nicht weiter zu verwundern, dass sein unschlagbarer Humor auch das Material eines düsteren Psychothrillers durchtränkt. Wenn Paul Feig also einen „Domestic Noir“-Bestseller wie „Wenn sie wüsste“ von Freida McFadden verfilmt, dann ist das Ergebnis in erster Linie unglaublich unterhaltsam. Mit spürbarem Gusto melkt er alle Klischees, die flotte Unterhaltungsliteratur so zu bieten hat, und lässt sie in die Nähe der Satire kippen. Dabei hält er das Spannungsseil straff gespannt und fesselt mit prickelndem Suspense sein Publikum an den Sessel.
Soap-Opera
Millie (Sydney Sweeney) wurde gerade aus dem Gefängnis entlassen und benötigt dringend einen Job. Sie stellt sich bei einer reichen Frau namens Nina (Amanda Seyfried) vor, die mit Mann und Tochter in einem jener opulenten Häuser lebt, wie man sie nur in Soap-Operas findet. Hastig drückt sich Millie noch eine Brille auf die Nase, um eine Spur respektvoller zu wirken. Das Einstellungsgespräch verläuft gut, Millie wird als Haushälterin engagiert und bezieht ein Zimmer in der Dachkammer.
Nina – immer ganz in properes weiß gekleidet – ist anfänglich supersüß, erweist sich aber als zunehmend instabil. In regelmäßigen Auszuckern verwüstet sie die Zimmereinrichtungen, beschimpft Millie und bricht heulend zusammen.
Ihr Ehemann zeigt sich dabei als Mustergatte an liebevoller Geduld und lässt die Ausbrüche seiner Frau stoisch über sich ergehen. Meist tritt er im knappen Feinripp auf, der einen prächtigen Ausblick auf seine glänzenden Muskeln freigibt, und begeistert die reichen Nachbarinnen. Bei ihnen heißt er nur „der rattenscharfe Engel Andrew“.
Eine psychisch labile Ehefrau und ihr Mustergatte: Brendan Sklenar und Amanda Seyfried.
Das Zusammenspiel der beiden Hauptdarstellerinnen Amanda Seyfried und Sidney Sweeney, „Euphoria“-Star und Teenie-Idol, funktioniert wie ein lustvoller Neuaufguss so legendärer Hollywood-Rivalitäten wie die zwischen Bette Davies und Joan Crawford.
Seyfried, ohnehin eine fantastische Schauspielerin, dekliniert das gesamte Vokabular der „hysterischen Hausfrau“ zwischen Eheweibchen und Psychopathin hingebungsvoll durch, während Sydney Sweeney in knappem Büstenhalter mit Schmollmund dagegen hält.
Eifersuchtssätze wie „Lass die Finger von meinem Mann!“ laden die häuslichen Spannungen mit den triefenden Fantasien des Erotikthrillers aus den 1990er-Jahren auf (Sex vor loderndem Kaminfeuer!); von den Plot-Twists ganz zu schweigen. Am Ende lässt sich sogar auf eine Fortsetzung hoffen.
Ein „Guilty Pleasure“, wie es im Buche steht.
INFO: USA 2025. 131 Min. Von Paul Feig. Mit Sydney Sweeney, Amanda Seyfried.
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