"Taxi Driver" und Gigolos: Schrader ist 65

Paul Schrader machte De Niro zum "Taxi Driver" und Richard Gere zum "Mann für gewisse Stunden". Bilder seiner Karriere als Drehbuchautor und Regisseur.

Der Name Paul Schrader mag vielen Kinogängern nicht geläufig sein, aber jeder Cineast kennt seine Werke. "Taxi Driver", ... ... "Wie ein wilder Stier", ... ... und "Ein Mann für gewisse Stunden" zählen zu den Highlights der amerikanischen Filmgeschichte. Martin Scorsese machte sich das Talent des Drehbuchschreibers für düstere Stoffe gleich viermal zunutze. Neben "Taxi Driver" und "Wie ein wilder Stier" dachte sich Schrader auch ... ... die Jesus-Verfilmung "Die letzte Versuchung Christi" und ... ... das New Yorker Straßendrama "Bringing Out the Dead" aus. Schrader, der am 22. Juli seinen 65. Geburtstag feiert, hat sich immer als Provokateur gesehen. Sinnleere, Einsamkeit, Gefangenschaft, Gewalt und Sex sind seine Lieblingsthemen. Seine Protagonisten sind meist getriebene, zwiespältige Persönlichkeiten. Er selbst erklärte seinen Hang zum Düsteren mit seiner streng puritanischen Erziehung. Schrader, geboren in Grand Rapids (US-Bundesstaat Michigan), Sohn holländischer Calvinisten, durfte erst mit 18 Jahren seinen ersten Kinofilm sehen. Eigentlich sollte er Missionar werden, doch die Liebe zur Leinwand war stärker. 

Er studierte Film an der New Yorker Columbia University und in Kalifornien, als Filmkritiker verdiente er sein erstes Geld. Schrader wollte bald zu denen gehören, über die er schrieb. Sein erstes Drehbuch verkaufte er 1974 an Sydney Pollack, der daraus mit Robert Mitchum den Gangsterfilm "Yakuza" inszenierte. Ein Jahr später lieferte er die Vorlage für Brian De Palmas Entführungsthriller "Schwarzer Engel". 1976 gelang ihm dann mit "Taxi Driver" der Durchbruch. Die Geschichte eines enttäuschten Vietnamveteranen und Taxifahrers in New York, der mit der Gewalt und dem Dreck der Stadt nicht mehr fertig wird, brachte Schrader in wenigen Wochen zu Papier. 

Das sei für ihn damals eine "persönliche Therapie" gewesen, zitiert die Filmdatenbank Imdb.com den Autor. Er sei an einem Tiefpunkt gewesen, von seiner Freundin verlassen und finanziell am Boden. Mit Robert de Niro in der Hauptrolle inszenierte Scorsese einen Film über Gewalt und Großstadtschmuddel. Der Streifen wurde in Cannes mit der Goldenen Palme gekürt. Paul Schrader dazu im Interview, das KURIER.at mit ihm Anfang des Jahres in Wien führte: "An diesem Punkt meines Lebens war es eben so, dass ich für persönliche Therapiezwecke schrieb. Ich hatte daher das Glück, meine Arbeit aus dem bestmöglichen aller Gründe zu betreiben."

Lesen Sie das ganze Interview im Link unten. Nach dem Erfolg mit "Taxi Driver" wechselte Schrader hinter die Kamera. Sein Regiedebüt gab er 1978 mit "Blue Collar", einem Film über die Macht korrupter Gewerkschaften. Mit Richard Gere als Callboy für reiche Hollywooddamen in "Ein Mann für gewisse Stunden" landete Schrader 1980 einen Kassenhit. In dem Psychodrama "Der Gejagte" (engl. Titel "Affliction", 1997) gab er Nick Nolte die Rolle eines versoffenen Kleinstadtsheriffs, der unter dem Druck seines herrischen Vaters (James Coburn) leidet. Nolte wurde für den Oscar nominiert, Coburn gewann die Statue als bester Nebendarsteller. Für "Der Gejagte" holte Schrader auch seine zweite Frau, die Schauspielerin Mary Beth Hurt (links im Bild), vor die Kamera. Auch in "Walker" (2007) trat sie erneut auf. In dem Film, den Schrader - zugleich Jurypräsident - bei der Berlinale vorstellte, spielt Moritz Bleibtreu den türkischen Freund eines schwulen Begleiters (Woody Harrelson) reicher Damen. Berlinale-Applaus erhielt auch sein jüngstes Regiewerk, das berührende Holocaust-Drama "Ein Leben für ein Leben - Adam Resurrected" (2009). Es basiert auf dem israelischen Bestseller "Adam Hundesohn" (1968) und thematisiert die Geschichte des deutschen Juden Adam Stein (Jeff Goldblum, Bild), der in einer Klinik für Holocaust-Überlebende in Israel an den Erinnerungen an den KZ-Kommandanten Klein (Willem Dafoe) leidet. Zugleich gewinnt Schrader auch als Theaterautor langsam an Renommee. So feierte im Jänner in Wien sein in den 1990ern verfasstes Stück "Der Cleopatra Club" im stadtTheater Walfischgasse unter der Regie von Rupert Henning seine europäische Erstaufführung.

KURIER.at hat zu diesem Anlass ein Interview über das Theater und die Zerstörung von Hollywood mit Schrader geführt. Link siehe unten.

Mehr zum Thema

(apa / mich) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?