Kultur
27.08.2017

"Tatort": Ebola in der Steiermark

"Virus": Am Sonntag (ORF 2, 20.15) eröffnen Moritz Eisner und Bibi Fellner die neue "Tatort"- Saison.

Der Belastungstest spricht eine klare, besorgniserregende Sprache: Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) sind völlig außer Form. Dieses Testergebnis teilt ihnen Polizeichef Ernst Rauter (Hubsi Kramar) in einem Sechsaugengespräch mit. Aber in puncto Fitness geht es immer auch noch schlechter. Das beweist etwa der Kriminalassistent Manfred Schimpf (Thomas Stipsits), der im Dienst weniger blöd daherreden und mehr Sport betreiben sollte.

"Bei ihren Lactatwerten ist es ein Wunder, dass sie unter der Last ihres Handtuchs nicht zusammenbrechen", lässt ihn der Polizeichef in der Turnhalle wissen und verdonnert ihn zum Straftraining. Diese Extra-Kilometer am Laufband bleiben Eisner und Fellner vorerst erspart, weil die Arbeit ruft: Im steirischen Pöllau wurde eine Leiche gefunden.

Sprengung

Der Tote, schwarzafrikanischer Abstammung, hat keine Papiere und es gibt auch keine Hinweise darauf, wer das Opfer ist, das erschlagen im örtlichen Steinbruch gefunden wurde. Die Kommissare knöpfen sich als erste Amtshandlung den Betreiber des Steinbruchs, Thomas Reuss (Martin Niedermair), vor. Der wollte nämlich am Vortag unbedingt eine Sprengung durchführen – angeblich, um behördliche Auflagen zu erfüllen. Eine andere Spur führt zu seinem Bruder Albert (Andreas Kiendl), der als Arzt für Hilfsorganisationen in Afrika arbeitete und nun in Pöllau einen "Fluchthof" betreibt. So richtig brisant wird es aber erst, als der Gerichtsmediziner (Günter Franzmeier) beim Toten eine Ebola-Infektion diagnostiziert. Das löst Panik in der Gemeinde und den Seuchen-Notfallplan aus.

"Virus" (ORF2, 20.15), so der Titel der neuen Folge, die am Sonntag (27.8.) die zehnwöchige " Tatort"-Sommerpause beenden wird, wurde von Barbara Eder umgesetzt. Es ist die erste Inszenierung der österreichischen Regisseurin, die sich über ihre Bestellung sehr gefreut hat. "Als ich gefragt wurde, ob ich einen , Tatort‘ machen möchte, war ich wirklich geehrt, weil die Verantwortlichen im ORF immer sehr bedächtig damit umgehen, wer bei dieser renommierten Krimi-Reihe Regie führt. Da überkommt einen anfangs das Gefühl, dass man da zeigen muss, was man drauf hat", sagt Barbara Eder im KURIER-Interview. Dass sie es "drauf hat", hat Eder in den vergangenen Jahren bereits mehrfach bewiesen (siehe unten).

Das Drehbuch zu " Virus" kommt von Rupert Henning, was die Sache für die Regisseurin vereinfachte, "weil der ,Rupi‘ nicht eitel, sondern super drauf ist", sagt Eder, die in ihren Filmen gerne unterschiedliche Genres mixt. Der Austro-"Tatort" und seine Figuren würden sich für eine Melange aus Krimi und Komödie auch perfekt eignen, so die 40-jährige Burgenländerin, die stets offen an Dreharbeiten herangeht. "Es ist auch diesmal wieder einiges erst am Set entstanden, sagt Eder, die sich auf die Geschichte akribisch vorbereitete. "Wie schaut eine Ebola-Station aus? Was sind die Symptome? Danach hatte ich Bilder im Kopf, die ich unbedingt umkehren wollte. Und so habe ich die Geschichte in einer idyllischen Gegend inszeniert; habe Bilder, die man aus Afrika kennt, in ein steirisches Dorf geholt." Für Eder sei das ein super Kontrast – skurril und schräg. "Genau das war mir bei diesem ,Tatort‘ wichtig."

Barbara Eder: Die 1976 in Eisenerz geborene Regisseurin erhielt für ihren ersten Spielfilm „Inside America“ 2011 den Max-Ophüls-Spezialpreis.
Für den ORF drehte sie bereits mehrere Folgen „CopStories“und einen Landkrimi („Kreuz des Südens“). 2014 erhielt sie für „Blick in den Abgrund“ eine ROMY.
Mit „ Virus“, Eders „ Tatort“-Debüt, wird am Sonntag der letzte heimische Fall in diesem Jahr gezeigt. Neues Material folgt 2018: Christopher Schier inszeniert mit „Die Faust“ seinen zweiten „ Tatort“ und Barbara Eder legt mit „Irgendwann …“ nach.