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Kultur
03/25/2021

Sven Regener: Endlich auf der Trompete austoben

Sven Regener, Mastermind von Element of Crime und Bestsellerautor, über sein erstes Jazz-Album „Ask Me Now“, die Musikpolizei und Muskeln.

von Marco Weise

Seit mehr als 40 Jahren greift Sven Regener täglich zur Trompete. Da das Instrument bei seiner Stammformation Element of Crime aber meistens nur eine (wichtige) Nebenrolle spielt, kehrt er nun zu seinen musikalischen Wurzeln zurück. Und das ist nun mal Jazz: „Ich wollte eigentlich immer Jazz-Musiker werden“, wie der 60-jährige Deutsche dem KURIER sagt.

Gemeinsam mit Richard Pappik, Schlagzeuger von Element Of Crime, und Pianist Ekki Busch, ebenfalls eng mit der Band verbunden, hat Regener kürzlich als "Regener Pappik Busch" sein erstes Jazz-Album veröffentlicht. Es heißt "Ask Me Now" und beinhaltet Interpretationen von Jazzklassikern wie etwa "Big Nick" von John Coltrane.

KURIER: Ist die Platte aus Corona-Langeweile entstanden?

Sven Regener: Nein, die Idee hatte ich schon länger. Als ich vor 40 Jahren mit dem Trompetespielen begonnen habe, wollte ich Jazz-Musiker werden. Daraus wurde aber nichts. Vor ein paar Jahren war ich dann bei der Beerdigung meines alten Trompetenlehrers. Dort gab es eine Jazzband, mit der ich Lieder spielte. Dabei habe ich gemerkt, dass ich das Gefühl für diese Musik verloren habe. Das wollte ich ändern und habe wieder angefangen, Jazz zu spielen.

Haben Sie sich dafür Tipps geholt oder Unterricht genommen?

Nein, ich spiele ohnehin jeden Tag Trompete. Außerdem ist das ja keine Sache der Technik, sondern es geht um das Gefühl für diese Musik. Ich habe mich dann einfach durch das riesen Repertoire an Songs gewühlt, dazu improvisiert, mir Akkorde vorgestellt. Für mich war es ein bisschen wie nach Hause kommen.

Sie spielen wirklich täglich Trompete?

Ja, natürlich. Seit 45 Jahren. Okay, es gab auch Zeiten, da habe ich das ein bisschen schleifen lassen. Aber in der Regel wurde ich dafür auch immer gleich bestraft (lacht). Das Problem ist der richtige Ansatz. Wenn der einmal verloren geht, muss man ihn wieder mühsam aufbauen. Man sollte ihn also besser ständig trainieren, wie einen Muskel.

Hat man Berührungsängste oder Angst davor, von der Jazz-Polizei abgestraft zu werden?

Ich glaube, dass es diese Jazz-Polizei gar nicht gibt. Ich habe zumindest noch keinen Strafzettel bekommen (lacht). Man sollte sich, was die Kunst betrifft, auch nichts verbieten lassen. Auch wenn wir eigentlich aus der Rock- oder Folk-Rock-Ecke kommen, können wir trotzdem Jazz machen, so wie umgekehrt ja auch Miles Davis „Time After Time“ von Cindy Lauper interpretieren kann. Die Übergänge zwischen den ganzen Musikstilen sind ja fließend. Wir haben mit Element of Crime neulich auch eine Cover-Version von Louis Armstrongs „We Have All the Time in the World“ gemacht, und bereits Platten veröffentlicht, die vom Jazz davon beeinflusst sind.

Die Songs, die Sie im Trio neu interpretieren, haben alle schon einige Jahre am Buckel – der jüngste stammt aus den 60ern. Gab es keine aktuelleren Stücke, die sich angeboten hätten?

Wir haben das gar nicht beachtet, sondern haben in den vergangenen Jahren ein Repertoire an Songs aufgebaut, mit denen wir als Trio am besten funktionieren. Wir sind auch mit viel mehr Stücken ins Studio gegangen und haben uns danach einfach für diese zwölf Stücke entschieden, die nun am Album zu hören sind. Aus welchem Jahr die Stücke stammen, war bei dieser Auswahl aber kein Thema.

Nach welchen Kriterien haben Sie die Lieder für „Ask Me Now“ ausgesucht?

Ich habe das nicht alleine entschieden, sondern als Trio. Wir sind dann mit der Vorauswahl von rund 30 bis 50 Songs ins Studio gegangen, haben einfach probiert, welche Titel am besten funktionieren, wo passt unser Sound, unser Stil am besten; welche Lieder gehen uns am leichtesten von der Hand.

Haben Sie einen Lieblingsjazzer?

Als Trompeter würde ich sagen: Louis Armstrong und Miles Davis. Die beiden haben mich vor allem in jungen Jahren inspiriert. Eine wesentliche Rolle hat immer auch schon mexikanische Musik gespielt. Als ich ein Kind war, haben meine Eltern immer so eine mexikanische Platte aufgelegt, da waren auch immer Trompeten dabei. Das fand ich irre, das hat sich dann ja auch auf Element of Crime ausgewirkt. Mit zunehmenden Alter wurde ich aber immer mehr Fan von Lester Bowie, weil er der Verrückteste war, unfassbar musikalisch und unglaublich interessante Musik lieferte – mit einer punkigen Herangehensweise.

Was gibt es Neues bei Element of Crime?

Aktuell geht es darum, die abgesagten Termine aus dem vergangenen Jahr nachzuholen. 2020 konnten wir ja nur zwei Konzert spielen.

Wann kommt Ihr neues Buch?

Im Herbst. Es wird „Glitterschnitter“ heißen, spielt in den Achtzigern und schließt an „Wiener Straße“ an.

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