Streit um russischen Pavillon: EU droht Biennale mit Förderstopp

Russlands Teilnahme an der Kunstbiennale bewegt seit längerem die Gemüter - nun spitzt sich der Streit zu.
Russischer Pavillon Giardini Biennale

Der Streit um die Teilnahme Russlands an der Kunstbiennale in Venedig geht in die nächste Runde. Die EU-Kommission hat ein Verfahren eingeleitet, um Fördermittel zu streichen, sollte die Kulturinstitution an ihrer Entscheidung festhalten, Russland wieder teilnehmen zu lassen. Laut einer Mitteilung droht der Verlust von Geldern in Höhe von rund zwei Mio. Euro für den Zeitraum bis 2028.

Die EU hat die Forderung in einem Schreiben an den Präsidenten der Stiftung Biennale, Pietrangelo Buttafuoco, übermittelt. Die Biennale hat jetzt 30 Tage Zeit, einen Rückzieher zu machen, ansonsten wird sie die europäischen Fördergelder verlieren. Die Biennale verteidigte ihr Vorgehen und erklärte, man habe "in strikter Übereinstimmung mit den geltenden nationalen und internationalen Vorschriften" gehandelt. Man sei überzeugt, keine Regel verletzt zu haben, und werde die eigene Position fristgerecht darlegen, hieß es in einer Mitteilung am Samstagabend.

Closing and Awards Ceremony - 82nd Venice Film Festival

Scharfe Kritik an dem Vorgehen der EU kommt aus der italienischen Politik. Vertreter der Lega und der Fünf-Sterne-Bewegung werfen Brüssel eine unzulässige Einmischung in die Autonomie einer Kultureinrichtung vor. Lega-Chef Matteo Salvini sprach von einem "inakzeptablen Druck" der europäischen Bürokratie.

Kräftemessen

Seit Wochen herrscht ein offenes Kräftemessen zwischen dem italienischen Kulturminister Alessandro Giuli, der sich gegen eine Teilnahme Russlands stemmt, und dem Präsidenten der Biennale, Pietrangelo Buttafuoco. Der Fall sorgt auch für Spannungen innerhalb der Regierungskoalition von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Salvini hat wiederholt klar Position für Russlands Teilnahme an der Biennale bezogen und Buttafuoco offen verteidigt.

An der internationalen Ausstellung, die heuer von 9. Mai bis 22. November 2026 stattfindet, beteiligen sich nach Angaben der Veranstalter 99 Länder - deutlich mehr als bei der Ausgabe 2024 mit 88 Staaten. Unter anderem sind Iran, Russland, Israel und Ukraine. Auch Künstler aus dem Gazastreifen sollen vertreten sein. 

Boykottaufrufe

Präsident Buttafuoco sprach bei einer Präsentation im März von einer "kulturellen Waffenruhe" und davon, dass das Festival eine "Diplomatie der Schönheit" ermöglichen solle. Gleichwohl ist die Veranstaltung mit Boykottaufrufen konfrontiert, auch gegen den Beitrag Israels. Südafrika hat bereits im Vorfeld seinen Beitrag zurückgezogen, weil das geplante Projekt "Elegy" eine Deutung des Gaza-Konflikts angeboten hätte, die "höchst spaltend" gewesen wäre, wie es hieß. 

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