STEIRISCHER HERBST: ER√ĖFFNUNG STEIRISCHER HERBST 2019 / DEGOT

Herbst-Intendantin Ekaterina Degot im Vorjahr

© APA/ERWIN SCHERIAU / ERWIN SCHERIAU

Kultur

steirischer herbst trotzt Coronakrise und wird "Paranoia TV"

Intendantin Ekaterina Degot gibt einen ersten Ausblick auf das Festival, das ab 24. September im Schatten der Pandemie stattfinden soll.

06/18/2020, 01:50 PM

Der steirische herbst trotzt der Coronakrise. Er√∂ffnet wird er laut Plan am 24. September - wenn auch anders als urspr√ľnglich geplant. "Paranoia TV" hei√üt das Motto und ist zugleich das zentrale Format, denn die Kunst wird dabei zu einem gro√üen Teil digital zu den Besuchern geliefert werden. Intendantin Ekaterina Degot hat am Mittwoch einen ersten Ausblick auf das Konzept des Festival gegeben.

Degot kann sich vieles vorstellen, nicht aber, dass das Avantgardefestival steirischer herbst in diesem Jahr nicht stattfindet. "Im M√§rz waren die Vorbereitungen schon sehr avanciert. Wir hatten das Thema, die Projekte - das alles war pl√∂tzlich unm√∂glich weil wir vor allem ortsspezifisch arbeiten. K√ľnstler sollten nach Graz kommen, um die Orte zu sehen und ihr Konzept zu entwickeln. Uns war klar, dass das nicht m√∂glich ist, aber das Festival zu canceln kam f√ľr uns nicht infrage", betonte Degot im Gespr√§ch mit der APA. In der von Unsicherheit und Angst gepr√§gten Atmosph√§re habe man dann eine neue Form f√ľr das Festival entwickelt, das auf die durch die Pandemie hervorgerufene neue Situation reagiert und sie reflektiert.

Auf allen digitalen Kanälen

Wer will, wird das Festival zu jeder Tageszeit und √ľberall erleben k√∂nnen, denn es wird auf allen m√∂glichen digitalen Kan√§len transportiert. "Viele K√ľnstler sind in den letzten Monaten online gegangen. Wir wollten den steirischen herbst nicht einfach online pr√§sentieren, sondern selbst ein Medienkonglomerat sein", beschrieb die k√ľnstlerische Leiterin die spontane Transformation von steirischer herbst in "Paranoia TV". Thematisch werde es ein ganz anderes Festival als urspr√ľnglich geplant werden, obwohl die K√ľnstler zum gr√∂√üten Teil die gleichen geblieben sind. "Einige Arbeiten sieht man jetzt in ganz neuem Licht. Nat√ľrlich haben wir auch neue Auftr√§ge vergeben", sagte Degot.

Beitr√§ge von rund 40 K√ľnstlern werden zu sehen sein: Sie kommen in den bekannten aber f√ľr ein Festival doch unvertrauten Formaten wie Talkshows, Fernsehserien, Live√ľbertragungen von Ereignissen und Gespr√§chen, k√ľndigte die Intendantin an. Das ganze werde "sehr experimentell, spielerisch und humorvoll" werden, blickte sie optimistisch nach vorne. Bis zum Festivalbeginn werde es auch eine App geben, √ľber die in die verschiedenen Programmpunkte eingestiegen werden kann. √úber eine Kooperation mit dem √∂ffentlich rechtlichen Sender √Ė1 wird man die Projekte und Programme von "Paranoia TV" fast t√§glich in mehreren Sendungen im Radio, online und als Podcast empfangen k√∂nnen. "Nat√ľrlich ist nicht alles nur online, einige Sachen werden auch in real life m√∂glich, aber sie bleiben trotzdem mit Paranoia TV liiert", schilderte Degot.

Einen ersten Einblick in die Welt von Paranoia TV findet sich auf www.paranoia-tv.com . Dort erklärt ein durch Deep-Fake-Technik erstellter Avatar von Sigmund Freud das Konzept.

Angst in Zeiten der Pandemie

Inhaltlich werde es um die mit Angst und Unsicherheit befrachtete Pandemiesituation gehen, die ma√ügebliche Einschnitte in den Alltag gesetzt und K√ľnstlern ver√§nderte Rahmenbedingungen der Kunstproduktion und -pr√§sentation gebracht hat. Zugleich werde die R√ľckkehr zur alten "Normalit√§t" thematisiert. "Ich pers√∂nlich habe nicht so viele √Ąngste, aber wenn ich es kritisch betrachte, dann f√ľrchte ich mich vor dieser Normalit√§t", wie Degot sagte. Letztlich habe die alte Normalit√§t nicht nur das Coronaproblem gebracht, sondern sei auch schon gepr√§gt von u. a. Fremdenfeindlichkeit, √úberwachung, Diskriminierung aufgrund von Alter und Geschlecht bis hin zu Bewegungseinschr√§nkungen und Selbstisolation gewesen. "Vielleicht m√ľssen wir uns vorstellen, dass es nie mehr normal wird", gab die Kuratorin zu bedenken.

Um solche Utopien und der Notwendigkeit utopischen Denkens wird sich etwa eine Konferenz im Forum Stadtpark drehen. Die feministische Aktivistin und emeritierte Professorin f√ľr politische Philosophie, Silvia Federici, und Alexander Neupert-Doppler wurden unter anderem zu "Es k√∂nnte anders sein - Konferenz f√ľr Praktische Kritik - Utopie" eingeladen. Sie werden sich gemeinsam mit weiteren Teilnehmern wie dem US-amerikanischen Ethnologen und bekennenden Anarchisten David Graeber mit Fragen nach der Neudefinition der Beziehung von Mensch und Tier auseinandersetzen oder die M√∂glichkeit einer Welt ohne Rassismus skizzieren.

Literaturfestival

In "real life", wie Degot sagte, wie auch online auf www.paranoia-tv.com wird man am dritten Festivalwochenende im Literaturhaus das Literaturfestival unter dem Titel "Out of Joint" miterleben k√∂nnen. √úber ein aus den Fugen geratenes Leben werden die Philosophen Robert Pfaller und Konrad Paul Liessmann sowie Autorinnen und Autoren wie u. a. Kathrin R√∂ggla, Judith Schalansky oder Clemens J. Setz sprechen. Programmdetails werde man in beiden F√§llen im August pr√§sentieren, k√ľndigte Degot an.

Eine gro√üe Ausstellung, wie sonst √ľblich, werde es nicht geben, wohl aber einige Performances in der Stadt. Jedenfalls plane man die Er√∂ffnung im √∂ffentlichen Raum: "Es wird ein sehr partizipatives Kunstwerk." Wo, das werde erst sp√§ter bekannt gegeben. Der Schlusspunkt steht jedenfalls schon fest: "Eine finale Diskussion √ľber √Ėsterreich und Paranoia", wie Degot vorausblickte.

 

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