Kultur
14.08.2018

Song Contest: Tel Aviv könnte Teil der Kosten übernehmen

Bürgermeister erklärte, die Stadt könnte für den Austragungsort aufkommen - ORF spränge nur bei Übernahme der Kosten ein

Der Konflikt um die Veranstaltung des Song Contest 2019 hat eine neue Dimension erhalten: Während zwischen der israelischen Regierung und dem Fernsehsender Kan ein Finanzstreit ausgetragen wird, erklärte sich Tel Aviv bereit, einen Teil der Kosten zu übernehmen. Bürgermeister Ron Huldai verlautbarte auf Facebook, dass die Stadt für den Veranstaltungsort aufkommen könnte - "ein zentraler Kostenpunkt", wie der Sozialdemokrat schreibt.

Im Streit zwischen Kan und der Regierung scheint sich indes keine Seite bewegen zu wollen: Der Fernsehsender verlangt, dass die israelische Regierung zwölf Millionen Euro zur Verfügung stellt, um die Austragung des Song Contest abzusichern. Premierminister Benjamin Netanjahu und Finanzminister Moshe Kahlon bestehen hingegen darauf, dass Kan die Summe aus eigener Tasche bezahlen muss. Der Sender entgegnete, dass das Budget bereits ausgeschöpft sei und man die Kosten nicht tragen könne. Das Ultimatum, das Kan der Regierung gestellt hat, um zu reagieren, endet heute. "Kein Geld, keine Veranstaltung", ließ man verlautbaren.

Sollte Israel auf die Ausrichtung des 64. ESC verzichten müssen, würde ein anderes Land einspringen - wobei derzeit auch über Österreich spekuliert wird. Gespräche gebe es jedoch keine, heißt es vom ORF. Sollte sich die Frage tatsächlich stellen, wäre für den Sender eine Kosten-Übernahmegarantie durch Israel oder die Europäische Rundfunkunion (EBU) Voraussetzung - was man selbst für eher unwahrscheinlich hält.

Wenig Zeit, wenige Alternativen

Indes beschied ESC-Fachmann Irving Wolther im Gespräch mit der dpa, dass im Fall des Scheiterns einer ESC-Austragung in Israel nur wenige Länder als Alternative infrage kämen - darunter Deutschland, Schweden oder eben Österreich. Mit der Veranstaltung des Song Contest 2015 hat sich der ORF dem Vernehmen nach einen guten Ruf erarbeitet.

Wer auch immer zum Handkuss kommt - viel Zeit bleibt dem Organisator nicht, muss doch der Musikwettbewerb im Mai 2019 über die Bühne gehen. Die israelische Sängerin Netta hatte heuer in Portugals Hauptstadt Lissabon mit „Toy“ gewonnen und ihr Land damit zum Ausrichterkandidaten Nr. 1 gemacht.

Dass ein Gewinnerland aus Kostengründen auf die Abhaltung des ESC verzichtet, wäre in der Geschichte des Bewerbs kein Novum. So verzichtete beispielsweise Monaco nach seinem Sieg auf den ESC 1972 und Großbritannien sprang ein.