© Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Kultur
05/25/2019

So war "Die Frau ohne Schatten" im Haus am Ring

Zum 150-Jahr-Jubiläum gab es eine Neuproduktion der Oper von Richard Strauss - musikalisch ein Ereignis

Musikalisch im Rang des Außergewöhnlichen, szenisch einfach nur austauschbar: Auf diesen Nenner lässt sich die Premiere der "Frau ohne Schatten von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal bringen. Ein Ereignis: Dirigent Christian Thielemann und das philharmonisch aufspielende, sensationelle  Orchester der Wiener Staatsoper. Wie Klangmagier Thielemann bei diesem komplexen Werk alle Register seine Könnens zieht, welch herrliche Klangfarben, welch fantastische Nuancen, welch dramatische Ausbrüche  hier hörbar werden, sucht seinesgleichen. Ein verdienter Bravo-Orkan für Dirigent und Orchester war die logische Folge.

Ebenso verdient, wie die Jubelstürme für die meisten Sänger. So ist Camilla Nylund eine Kaiserin von Weltformat, sie singt diese Partie mit traumhafter Sicherheit, höchster Intensität  und atemberaubender vokaler Klarheit. Wie auch Nina Stemme eine Färberin der Extraklasse ist. Die Sopranistin bewältigt diese unfassbar anspruchsvolle Partie mit einer  selten gehörten, packenden Souveränität. Als Amme hat es Evelyn Herlitzius  da stimmlich schon etwas schwerer, sie meistert die Rolle aber mehr als achtbar. Tenor Stephen Gould gibt einen fabelhaften Kaiser mit allen geforderten Höhen, Wolfgang Koch glänzt als überaus lyrischer Barak, Sebastian Holecek  ist ein sehr markanter Geisterbote.

Eine Inszenierung gibt es übrigens auch. Sie stammt  von Vincent Huguet, erinnert an ein Konzert in Kostümen vor meist grauen Kulissen und enthält sich jeder Deutung. Musiktheater der Gegenwart sieht anders aus. Frenetischer Jubel für alle Beteiligten, höflicher Beifall und wenig Proteste für das Leading-Team rund um Huguet.