Sieht aus wie ein Männerfilm, ist aber keiner
Schnelle Autos, eingeölte Muskelberge, spektakuläre Stunts, seichte Dialoge: Es wäre leicht, die "Fast & Furious"-Serie als uninteressanten Kino-Blödsinn abzutun.
Umso bemerkenswerter ist, dass der derzeit in den Kinos laufende siebente Teil die volle Aufmerksamkeit Hollywoods hat.
Nicht (nur), weil "Fast & Furious 7" einen Einnahmerekord nach dem anderen bricht und aller Erwartung nach mehr als eine Milliarde Dollar einspielen wird. Sondern weil diese Einnahmen zu einem großen Teil von Publikumssegmenten kommen, die sonst von Hollywood schlecht oder wenn, dann halbherzig bedient werden: von Minderheiten nämlich. Und von Frauen, die anfangs knapp die Hälfte der US-Besucher des Films ausmachen.
Nur ein Viertel waren hingegen weiße Männer – obwohl diese in Hollywoodfilmen ansonsten sowohl im Publikum als auch in den Hauptrollen überrepräsentiert sind. Fast genauso viele – 24 Prozent der "F&F7"-Besucher – waren jedoch Schwarze. Noch weit mehr – 37 Prozent – waren sogenannte Hispanoamerikaner, also lateinamerikanischer Abstammung. Ein Zukunftsmarkt: Die Hispanics machen 17 Prozent der US-Bevölkerung, aber 23 Prozent der Kinobesucher aus, berichtet CNN.
Vorbild F&F7
Ein Erfolgsrezept von "Fast & Furious" ist die sehr facettenreiche Schauspielerriege in den Hauptrollen. Das dürfte Schule machen.
Denn die weltweiten Einnahmen werden immer wichtiger: "F&F 7" wird in den USA rund 300 Millionen, weltweit aber 750 Millionen Dollar einnehmen. Und Filme sind außerhalb der USA dann besonders (finanziell) erfolgreich, wenn sie nicht nur weiße Schauspieler in den Hauptrollen haben.
Und mit Filmen wie " Hunger Games", "Insurgent" und "Fifty Shades of Grey" haben zuletzt auch überwiegend von Frauen besuchte Blockbuster für überraschend hohe Einnahmen gesorgt.
Es sollte also niemanden überraschen, wenn sich das Gesicht von Hollywood demnächst wandelt.
iPhones, Staubsauger, Kinderbücher und Kleidung: Die Fabriken, die all das produzieren, stehen in China. Bei der "Traumfabrik", als die Hollywood gilt, ist das nicht anders. Die übersiedelt derzeit zunehmend nach China. Die Chinesen investieren Millionen, derzeit vor allem in Tricktechnik für Spezialeffekte, um immer größere Teile der Filmproduktion nach China zu holen.
Mit Erfolg: Der Einfluss Chinas auf Hollywood-Filme wird immer größer, berichten US-Medien. Das betrifft sowohl Schauspieler, in den Filmen beworbene Produkte als auch die Inhalte: "Niemand will Filme machen, die China verärgern könnten", sagt ein Filmproduzent laut New York Times.
US-Filmfirmen versuchen wiederum, in China Fuß zu fassen. Denn der chinesische Kinomarkt soll in wenigen Jahren den US-amerikanischen überholen – und dann der größte der Welt sein. 15 Kinosäle pro Tag werden dort neu eröffnet; einzelne Filme machen schon mehr Geld in China als in den USA.
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