Sidney Poitier 2014 bei der Oscarpreisverleihung. Am Samstag (ORF 2, 11.15 Uhr) in memoriam:   „Rat mal, wer zum Essen kommt“

© REUTERS/Adrees Latif

Kultur
01/07/2022

Nachruf auf Sidney Poitier: Oscarpreisträger und Kassenmagnet

Der Schauspieler Sidney Poitier (1927 bis 2022) bekam als erster Schwarzer den Oscar für eine Hauptrolle.

von Alexandra Seibel

Als Sidney Poitier 1964 den Oscar gewann, setzte er sich  gegen seine Rivalen  Rex Harrison, Albert Finney,  Richard Harris und Paul Newman durch. Eine strahlende Anne Bancroft überreichte ihm die goldene Trophäe für seine  Hauptrolle in  „Lilien auf dem Felde“ – und mit seiner kurzen Dankesrede („Es war ein langer Weg …“) schrieb Sidney Poitier  Filmgeschichte. Er war der erste  schwarze Schauspieler (mit Wurzeln in den Bahamas), der einen Oscar als bester Hauptdarsteller gewann. Und die zweite schwarze Person überhaupt, die von der Filmakademie ausgezeichnet wurde.

Aber das war noch längst nicht alles. Poitier war auch der erste Schwarze, der als Zugpferd am Box Office für Nummer-eins-Hits sorgte. Im  Jahr 1967 konnte er gleich drei Kassenschlager landen: In „Junge Dornen“ lieferte er eine dramatische Glanzleistung als besonnener Lehrer in einer Problemschule. In dem charismatischen Thriller „In der Hitze der Nacht“ sah man ihn  an der Seite von Rod Steiger, der einen rassistischen Polizeichef spielt.

Und auch in „Rat mal, wer zum Essen kommt“ war Rassismus das Hauptthema: Eine junge weiße Amerikanerin bringt ihren afroamerikanischen Verlobten mit nach Hause – und stellt die Liberalität ihrer  Eltern (Katharine Hepburn und Spencer Tracy) auf die Probe.

Musterbeispiel

Sidney Poitier bezeichnete sich selbst gern als ganz gewöhnlichen Typen, der aber gleichzeitig ein Exempel für schwarze Emanzipation setzen wollte.  Diese Spannung definierte sein gesamtes Leben.

Zwei Dekaden hindurch war er Hollywoods einziger schwarzer Leading Man und ebnete den mühseligen Weg für alle, die nach ihm kamen.
Nun ist er im Alter von 94 Jahren gestorben.

Geboren wurde Sidney Poitier 1927 als siebentes Kind von Gemüsefarmern in Miami. Er wuchs in Armut auf den Bahamas auf und übersiedelte im Alter von 15 Jahren zurück nach Florida, wo noch rassistische Segregation herrschte. Poitier ging nach New York und startete seine Karriere am Broadway im Jahr 1946.

Sein Filmdebüt gab er 1950 in  „Der Hass ist blind“, in dem er einen Arzt spielt, der von einem rassistischen Patienten (Richard Widmark) abgelehnt wird und dem gegenüber er sich „beweisen“ muss. Diese Rolle wurde typisch für Poitiers Karriere: Er war der   gute Ausnahmeschwarze, der den Weißen Respekt  beibrachte.  Das Highschooldrama „Die Saat der Gewalt“ (1955) wurde zu seinem  Karrieredurchbruch.

Poitier war Vorbild für viele Afroamerikaner, etwa Oprah Winfrey. 2002 bekam er den Ehrenoscar für sein Lebenswerk.

Sidney Poitier
Geboren wurde er 1927 in Miami, aber seine Familie  stammte ursprünglich von den Bahamas, wo er auch aufwuchs. Mit 15 ging Sidney Poitier nach Miami zurück, mit 18 kam er nach New York

Wichtigste Filme
Mit dem Highschool-Drama „Die Saat der Gewalt“ (1955) startete seine Karriere durch. Für „Lilien auf dem Feld“ bekam er als erster schwarzer Schauspieler einen Oscar für eine Hauptrolle. Weitere Filme: „In der Hitze der Nacht“ und „Rat mal, wer zum Essen kommt“

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