Shadowland: Akrobatischer Schattentanz

Das US-amerikanisches Pilobolus Dance Theatre begeisterte bei der Premiere im Museumsquartier mit ihrem akrobatischen Schatten-Theater.


Wer kennt sie nicht, die Schattentiere, die durch Fingerverrenkungen zum Leben erwachen und uns im Kindesalter begeisterten. Einen Abend dieser kindlichen Faszination konnte man bei der Premiere des Schattentheaterstücks "Shadowland" am Mittwoch in der Halle E im Museumsquartier erleben. Das US-amerikanische Pilobolus Dance Theatre erzählte an diesem Abend die Geschichte eines jungen Mädchens, das im Traum allerhand Abenteuer erlebt und erste Erfahrungen mit dem Frau-Sein macht. Außergewöhnliche, riesige Pflanzen, die durch Berührung mit anmutigen Bewegungen ihre Gestalt verändern. Viele Köche, die einen ganz speziellen Eintopf zubereiten wollen, dessen wichtigste Zutat das Mädchen ist. Eine riesige Hand, die aus dem Himmel in die Traumwelt hineinlangt, um die Protagonistin mit ein paar wenigen Handgriffen in ein Hündchen zu verwandeln. Ein Cowboy, der dieses kleine Hündchen mit auf seine Reise nimmt, es jedoch im Regen aussetzt, als es allzu zutraulich wird. Eine sexy Dompteuse, die das drollige Tier mit den Schlappohren durch Reifen springen lässt. Ein Zentaure, der ein ähnliches Schicksal erfahren hat, sich in das Hunde-Mädchen verliebt und es nach all den traurigen, erschreckenden Traumerlebnissen in einen Freudentaumel versetzt … Die Handlung von Steven Banks, dem Autor der Kinderserie "SpongeBob" ist simpel und gleicht in ihrer Umsetzung einer Mischung aus "Alice im Wunderland" und "Die Schöne und das Biest", wo Menschen in Teekannen und Standuhren verwandelt werden. Die nicht besonders kreative Handlung wird erst durch die Umsetzung zu etwas Besonderem. Das 1971 gegründete Pilobolus Dance Theatre raubt dem Publikum mit seinen akrobatischen Tanzeinlagen den Atem. So viel Körperbeherrschung ist kaum zu glauben. Selbst schier unmöglichen Bewegungsabläufe werden von den Tänzern mit einer Leichtigkeit und Flüssigkeit vollzogen, dass man nur staunen kann. Faszinierend sind auch die Licht-Schatten-Effekte und wie aus menschlichen Körpern Blumen, Elefanten, Hunde entstehen. Am liebsten würde man gleich selbst hinter die Leinwand treten und sich darin versuchen. "Shadowland" ist eine sehr nette Show, die das Publikum bei der Wien-Premiere im Museumsquartier zeitweise sogar in völlig unpassenden Momenten zu Szenenapplaus hinriss, was der Aufführung einen Teil der Magie raubte. Besonders Kinder werden begeistert sein. Für manche Erwachsene ist die Handlung vielleicht eine Spur zu kindlich-naiv. Dafür sind die durchtrainierten Körper schön anzusehen und die anmutige Akrobatik fasziniert sowieso Zuseher jeden Alters. Es ist also für jeden etwas dabei, um einen kurzweiligen Abend zu verbringen. Bei so einer amerikanischen Show darf dann auch am Ende ein bisschen Glitzer in Broadway-Manier nicht fehlen. Die Truppe, die übrigens nach einem Pilz benannt ist, erregte vor einigen Jahren mit einem Werbespot für einen Autohersteller Aufmerksamkeit. Zuletzt trat sie bei der Oscar-Verleihung und bei "Wetten, dass ..?" auf und wurde auch für Andre Hellers Show "Magnifico" engagiert. Die gestrige Premiere in Wien war der Auftakt für die Tour im deutschsprachigen Raum. Shadowland
5. – 10. Juli 2011 
18. – 22. Jänner 2012 
Halle E, Museumsquartier

Tickets unter 01 / 96 0 96 oder www.oeticket.com
Weitere Infos unter www.shadowland-show.de oder www.pilobolus.org
(KURIER.at) Erstellt am
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