Seymour Cassel  mit  Gena Rowlands in „Minnie und Moskowitz“

© Alric Edens; NBC-Universals/3sat

Kultur
04/09/2019

Seymour Cassel 84-jährig gestorben: Charakterstark in Nebenrollen

Der Schauspieler Seymour Cassel spielte bei John Cassavetes und Wes Anderson. Zudem gab er Slash seinen Spitznamen.

von Alexandra Seibel

Seymour Cassel zählt zu jenen Schauspielern, deren Gesicht man sich merkt – selbst dann, wenn ihre Rolle nur eine sogenannte Nebenrolle ist. Er prägte die US-Independent-Szene, begann seine Schauspielkarriere bei John Cassavetes und wurde für seine Rolle in dessen Klassiker „Gesichter“ (1968) sogar für einen Oscar nominiert.

Doch Cassel hinterließ nicht nur in der Filmgeschichte seine markante Spur. Auch das Rock-’n’ Roll-Business seine Handschrift: Er war es, der dem Gitarristen von Guns N’Roses – mit bürgerlichem Namen Saul Hudson – seinen berühmten Spitznamen Slash verpasste.

Seymour Cassel wurde 1935 in Detroit geboren. Er reiste viel mit seiner Mutter, die als Burlesque-Tänzerin arbeitete und trat erstmals im Alter von drei Jahren auf der Bühne auf; seinen Vater lernte er nie kennen.

Cassel entwickelte sich zum wütenden Teenager, begann mit 13 Jahren zu trinken und landete schließlich in New York. Dort traf er auf John Cassavetes („Rosmaries Baby“), der ihm – nach eigenen Aussagen – das Leben rettete. Cassel, der Mann mit der blonden Haarwelle, auffälligem Schnauzer und verschmitztem Grinser im Gesicht, übersiedelte mit Cassavetes und dessen Frau Gena Rowlands nach Los Angeles und trat in zahlreichen Filmen von Cassavetes auf. In dem hinreißenden Pärchenfilm „Minnie und Moskowitz“ (1971) spielt Cassel den Parkplatzhelfer Moskowitz, der mit Minni eine turbulente Beziehung beginnt.

Redfords Chauffeur

In den 90er-Jahren gewann Seymour Cassel eine neue Generation von Filmfans, nachdem er in dem Sundance-Hit „In the Soup“ (1992) von Alexandre Rockwell mit Steve Buscemi einen unvergesslichen Auftritt als Gangster und Filmproduzenten hinlegte. Regie-Dandy Wes Anderson warf ein Auge auf ihn und besetzte ihn als Vater von Jason Schwartzman in der Highschool-Komödie „Rushmore“ (1998); weiters ließ er ihn in „The Royal Tenenbaums“ (2001) und „Die Tiefseetaucher“ (2004) auftreten. Unverwechselbar auch Cassels Rolle als Chauffeur von Robert Redford, der Demme Moore „Ein unmoralisches Angebot“ (1993) macht und eine Million Dollar für eine Nacht anbietet.

Seymour Cassel kam auch mehrmals nach Wien zu Besuch und infizierte seine Umgebung mit bester Laune. Im Jahr 1992 war er als Star von „In the Soup“ Viennale-Gast, im Jahr darauf kam er anlässlich eines Cassavetes-Specials wieder. Zufällig gaben damals auch Guns N’Roses ein Konzert im Ernst-Happel-Stadion. Und natürlich hatte Seymour Cassel Backstage-Pässe – von seinem Freund Slash.

Nun ist er 84-jährig in Los Angeles an den Folgen von Alzheimer gestorben.

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