Autopsien und keifende Schwestern: "Scarpetta“ mit Nicole Kidman
Kay Scarpetta (Nicole Kidman) und ihr Mann vom FBI (Simon Baker).
In österreichischen Krimiserien ist der Gerichtsmediziner meistens ein sympathischer Grantler mit morbidem Humor. Mit rechtschaffener schlechter Laune ist auch Dr. Kay Scarpetta ausgestattet. Sie ordiniert allerdings in Virginia, USA. Scarpetta ist die Hauptfigur einer Romanreihe von Patricia Cornwell (in Folge 1 hat sie einen Cameo-Suftritt), die bis dato 29 Teile umfasst. Eine Verfilmung wurde lang angedacht, einmal sollte Demi Moore die Ärztin spielen, dann Angelina Jolie. Nun ist es Nicole Kidman geworden im Achtteiler „Scarpetta“, der auf Amazon Prime Video abrufbar ist.
Damals und heute
Ihre schlechte Laune beruht auf mehreren Faktoren. Neben Bahngleisen wurde eine nackte, auf besondere Weise gefesselte Frauenleiche gefunden – ohne Hände (ja, zimperlich darf man als „Scarpetta“-Seher eher nicht sein, im Lauf der Serie wird naturgemäß recht unbekümmert bei der Autopsie an Toten herumgefuhrwerkt). Schließlich wird eine Mordwaffe gefunden und die Fingerabdrücke darauf lassen vermuten, dass Kay Scarpetta bei ihrem ersten Fall nicht den richtigen Täter gefasst hat.
Rückblenden gehen 28 Jahre zurück in die 90er-Jahre, wo sie ihrem schnoddrigen Partner von der Polizei, Pete Marino (jung: Jacob Cannavale, alt: Bobby Cannavale, ja der Vater) beibringt, nicht „Schlampe“ oder „Schwuchtel“ zu sagen. Auch mit dem FBI hat sie damals schon zu tun, in Gestalt von Benton Wesley. Der ist in der Gegenwartszeitebene ihr Ehemann, gespielt von Simon Baker („The Mentalist“).
Schwestern im Clinch
Marino wiederum ist der Mann ihrer Schwester, und die ist ein anderer Mieselsuchtfaktor. Denn Dottie (Jamie Lee Curtis) und Kay streiten viel, sie streiten nicht (nur) witzig, sondern echt böse, sie haben einen ganzen Hühnerstall miteinander zu rupfen, großteils daraus resultierend, dass sich Kay wegen des unsteten Lebenswandels ihrer Schwester früher um deren Tochter Lucie (Ariana DeBose) gekümmert hat und diese jetzt manch seltsamen Wesenszug aufweist.
Die Serie greift klug die DNA der Buchreihe auf, ist luxuriös besetzt, spannend und auch amüsant. Und wenn man sich mit ihr angefreundet hat, ist die beste Nachricht: Eine zweite Staffel ist längst bestellt.
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