Russischer Revolutionär der Fotografie

Alexander Rodtschenko versuchte Fotografie neu zu denken und wurde damit zu einem bedeutenden Vertreter der russischen Avantgarde.

"Experimentieren ist unsere Pflicht!" Mit diesem Spruch revolutionierte der russische Maler, Bildhauer und Grafiker Alexander Rodtschenko die traditionelle Fotografie - das war 1924. Die Folge war ein Neudenken des Begriffs Fotografie und der Rolle des Fotografen. Konzeptionelle Arbeiten hielten Einzug. 

Im Bild: Alexander Rodtschenko/Warwara Stepanowa, Junge Segelflieger, Entwurf einer Doppelseite für die Zeitschrift SSSR na stroike (Die UdSSR im Bau), 1933. Silbergelatine-Abzüge, Vintage, Fotomontage. Alexander Michailowitsch Rodtschenko (1891 - 1956) gehörte zweifellos zu den wichtigsten und prägenden Kräften des künstlerischen Schaffens und der Geisteshaltung der russischen Avantgarde des 20. Jahrhunderts. 

Im Bild: Michail Kaufman, Alexander Rodtschenko in Arbeitskleidung, 1923. Silbergelatine-Abzug, Neuabzug Anfang der 1920 Jahre arbeitete Rodtschenko mit dem befreundeten Dichter Wladimir Majakowski an fotografischen Illustrationen für dessen Gedichtband "Pro Eto" (siehe Bild).

Im Bild: Alexander Rodtschenko, Umschlag für Wladimir Majakowskis Buch Pro Eto (Darüber), 1923. Tiefdruck Bald wurde er Mitherausgeber der von Majakowski herausgegebenen Zeitschrift LEF (Linke Front der Künste). In den Jahren 1923 und 1924 war er für die Titelgestaltung verantwortlich. 

Im Bild: Alexander Rodtschenko, Porträtkarikatur mit Osip Brik, Variante einer Umschlagseite der Zeitschrift LEF (Linke Front der Künste), 1924. Silbergelatine-Abzug. Er entwarf Plakatentwürfe zu Sergej Eisensteins Film "Panzerkreuzer Potemkin" und wurde 1925 beauftragt, für die Weltausstellung in Paris den sowjetischen Pavillon zu gestalten. 

Im Bild: Alexander Rodtschenko, Porträt der Mutter, 1924. Silbergelatine-Abzug, Vintage. Rodtschenko war mehr als ein dynamischer Bildermacher. Mit immer neuen Manifesten versuchte er seine Ideen des russischen Konstruktivismus in die Welt hinauszutragen. Stürzende Bilddiagonale, harte Kontraste, schräge Aufsichten sowie Bild- und Textcollagen sind gestaltende Elemente seiner Fotografie.

Im Bild: Alexander Rodtschenko, Mosselprom-Gebäude 1926. Silbergelatine-Abzug, Vintage. In das Notizbuch der LEF (Linke Front der Künste) schrieb der Russe 1927: "Bei uns aber streben alle nur danach, im Neuen das Alte zu sehen. Es ist schwer, das Ungewöhnliche im Allergewöhnlichsten zu finden und zu sehen. Aber genau darin liegt die ganze Stärke."(Alexander Rodtschenko, 1927)


Im Bild: Alexander Rodtschenko, Kiefern, Puschkino, 1927. Silbergelatine-Abzug, Vintage. Immer wieder weist Rodtschenko darauf hin, Fotografie neu zu denken: "Wir sehen nicht, was wir anschauen. Wir sehen nicht die außergewöhnlichen Perspektiven und die Anordnung der Objekte. Wir, denen man beigebracht hat, das Bekannte und Anerzogene zu sehen, wir müssen die Welt des Sichtbaren neu entdecken. Wir müssen unsere visuelle Denkweise revolutionieren." (Alexander Rodtschenko, 1928)

Im Bild: Alexander Rodtschenko, Sucharewski-Boulevard, 1928. Silbergelatine-Abzug, Vintage. Er hat nicht nur wesentlich die Geschichte der russischen Fotografie mitbestimmt, sondern mit seinen Artikeln und Tagebüchern einmalige Aufzeichnungen und künstlerische Überlegungen zum Kunstkonflikt jener Zeit hinterlassen.

Im Bild: Alexander Rodtschenko, Radiohörer, 1929. Silbergelatine-Abzug, Vintage. In ganz Europa wird Ende der 1920er Jahren das experimentelle und innovative "Neue Sehen" gefeiert. 1929 nimmt Rodtschenko an der bahnbrechenden Ausstellung des Stuttgarter Werkbunds "Film und Foto" teil. 

Im Bild: Alexander Rodtschenko, Schuchow-Turm, 1929. Silbergelatine-Abzug, Vintage. Rodtschenkos Arbeiten waren auch von einer tiefen inneren Romantik geprägt: "Das Objektiv des Fotoapparats ist die Pupille des gebildeten Menschen in der sozialistischen Gesellschaft" und weiter "Es scheint, als könne nur der Fotoapparat das moderne Leben abbilden." (Alexander Rodtschenko, 1928)

Im Bild: Alexander Rodtschenko, Getrieberäder, 1929. Silbergelatine-Abzug, Vintage. Anfang der 1930er Jahre wendet sich die Stimmung in Russland. Fotografie wird vom Staat zunehmend für dessen sozialistische Interessen instrumentalisiert.

Im Bild: Alexander Rodtschenko, Pionierin, 1930. Silbergelatine-Abzug, Vintage.
Rodtschenko muss sich für seine Fotografie "Trompetender Pionier" (siehe Bild) wiederholt wegen "Formalismus-Verdacht" rechtfertigen und weigerte sich dem Druck nachzugeben und seinen fotografischen Arbeitsstil den neuen Zeiten anzupassen.

Im Bild: Alexander Rodtschenko, Trompetender Pionier, 1930. Silbergelatine-Abzug, Vintage. Das Verdienst des russischen Künstlers war seine Einführung des Konstruktivismus in die Fotografie. Er entwickelte Methoden und Instrumente für dessen Anwendung, was als "Rodtschenko-Methode" unter Schülern wie auch gleichgesinnten Künstlern breiten Anklang fand. 

Im Bild: Alexander Rodtschenko, Morgengymnastik auf dem Dach des Studentenwohnheims in Lefortowo, 1932. Silbergelatine-Abzug, Vintage. Die Fotografie diente nicht dazu, die Realität abzubilden, sondern sie wurde zu einem eigenständigen Mittel der visuellen Darstellung geistiger Konstrukte. Der Künstler wurde damit zum "Künstler-Ingenieur": "Die Fotomontage führte mich zur Fotografie." (Alexander Rodtschenko, 1935)

Im Bild: Alexander Rodtschenko, Kanal vor Zeitplan fertig, 1933. Tiefdruck In seinen letzten Lebensjahren wurde Alexander Rodtschenko jeglicher Zugang zu Arbeit genommen. Er wurde aus der Künstlergewerkschaft ausgeschlossen, frühere Freunde wie Schüler verweigerten allesamt ihre Unterstützung - einzig seine kleine Familie war ihm geblieben.

Im Bild: Alexander Rodtschenko, Mädchen mit Leica, 1934. Silbergelatine-Abzug, Vintage. Alexander Rodtschenko - Revolution der Fotografie
28. Mai bis 14. August
Fotomuseum Winterthur
Winterthur (Kanton Zürich), Schweiz

Zur Ausstellung erscheint ein englischsprachiger Katalog mit deutschem Beiheft:
Alexander Rochenko - Revolution in Photography
Multimedia Complex of Actual Arts
Moscow House of Photography Museum
224 Seiten, gebunden, 240 x 300 mm, Abbildungen in s/w und in Farbe. 

Im Bild: Alexander Rodtschenko/Warwara Stepanowa, Soviet Life, Entwurf für Umschlagseite der Zeitschrift, 1944. Silbergelatine-Abzug, Vintage, Fotomontage, Gouache.
(KURIER.at) Erstellt am
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