honorarfrei bei aktueller Berichterstattung

© Salzburger Festspiele/© Silvia Lelli

Kritik Salzburger Festspiele
08/12/2013

Spätes Debüt für den "Schreihals"

Richard Wagners "Rienzi" erstmals in Salzburg, üppig musiziert, aber leider nur konzertant.

von Gert Korentschnig

Der Jubel galt wohl nicht nur der Qualität der Aufführung, sondern auch einer besonderen Premiere: Erstmals in der Geschichte der Salzburger Festspiele wurde Wagners „Rienzi“ aufgeführt. Eine Art Grand opéra, mit welcher der Komponist ursprünglich in Paris reüssieren wollte, die dem damals 29-Jährigen dann aber bei der Uraufführung in Dresden den ersten Triumph bescherte.

Rienzi“ in Salzburg – das ist eine programmatisch richtige Wahl von Intendant Alexander Pereira, weil dieses Frühwerk nicht zum Kanon der in Bayreuth aufgeführten Werke zählt, Salzburg damit also der Wagner-Weihestätte nicht in die Quere kommt. Wobei das mit Bayreuth nur bedingt stimmt: Dort wurde heuer „Rienzi“ von Christian Thielemann dirigiert, allerdings in der Oberfrankenhalle und nicht im Festspielhaus. Immerhin gab es aber eine szenische Produktion, bei der Matthias von Stegmann (den man in Wien vom Kinder-„Ring“ kennt) Regie führte.

Womit wir beim größten Manko des Salzburger „Rienzi“ wären: Die Aufführung ist nur konzertant, noch dazu in einer stark gekürzten Fassung (auf dreieinhalb Stunden, die Urfassung ist mehr als sechs Stunden lang).

Hitlers Lieblingsoper

Bei einer Inszenierung hätte man zumindest andeuten können, dass „RienziHitlers Lieblingsoper war – was nichts an der in vielen Passagen erkennbaren Genialität, an der brillanten Ouvertüre, deren perlende Streicher-Motive Wagner später u. a. im „Tannhäuser“ verwendete, am traumhaft schönen Gebet des Rienzi ändert.

Oder man hätte Richtung Märchen flüchten können, wie es Stefan Herheim bei den „Meistersingern“, einer weiteren von Hitler geschätzten Oper, vorzeigte. So spielt Salzburg heuer zwei Wagner-Opern mit besonders heikler Rezeptionsgeschichte, eine intellektuell-politische Auseinandersetzung damit blieb aber aus. Was bedeutet die Figur des Cola di Rienzo, der in Rom zum Tribunen ausgerufen wird und dann untergeht, heute? Ist dieser affirmative Chor (fabelhaft und mächtig: der Staatsopernchor) eine leicht zu manipulierende Masse? Wo beginnt Führertum? Welche Rolle spielt dabei die Kirche? All das wird nicht beantwortet.

Junge Musiker

Schön und richtig ist es, dass ein junges Orchester, das Gustav Mahler Jugendorchester, spielt. Philippe Jordan ist ein präziser Organisator, versucht Pathos herauszunehmen, stellt mit enormer Lautstärke die Sänger aber vor Herausforderungen. Wagner selbst hatte „Rienzi“ als „Schreihals“ bezeichnet – man versteht hier warum.

Für Jordan ist es ein Comeback in Salzburg. Er war seit knapp zehn Jahren, seit einem Streit über eine „Così“-Inszenierung, bei der er vom Cembalo aus dirigieren wollte, nicht mehr in Salzburg am Pult gestanden. Unter den Sängern sind Sophie Koch als berührender Adriano mit wunderschönem, kraftvollem Mezzo und Georg Zeppenfeld als Colonna mit sonorem Bass die Besten. Emily Magee ist eine dramatische Irene. Und Christopher Ventris ein Rienzi, der vom ersten Moment an nur attackiert, eindimensional klingt und am Premierenabend keine einzige schöne Phrase sang. Passte immerhin zur Wagner-Titulierung.

KURIER-Wertung: **** von *****

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.