© EPA/NEIL HALL

Kultur
03/23/2021

"Ready Player Two" ist so unterhaltsam wie "Star Wars" mit Jar Jar Binks

Leider. Der Nachfolger zum Bestseller "Ready Player One"erscheint morgen auf Deutsch.

von Georg Leyrer

‚ÄěReady Player One‚Äú hat vor einem Jahrzehnt einen Moment eingefangen ‚Äď und daf√ľr die Lorbeeren (Bestseller, verfilmt von Steven Spielberg) eingeheimst. Damals war die 80er-Jahre-Popkultur pl√∂tzlich wieder all√ľberall. Serien, Filmen und Computerspiele von einst wurden aufgew√§rmt, mit ordentlich Nostalgie gew√ľrzt und dem Mittlebens-Publikum neu serviert. Mit diesem zweiten Aufguss scheffelt Hollywood seither Milliarden.

Und genau da lieferte Ernest Cline den ultimativen Buchblockbuster zum Thema. Er schickte darin seinen Underdog-Helden Wade auf eine verr√ľckte Science-Fiction-Schnitzeljagd durch eine virtuelle Welt. Dort musste er allerlei Popkulturr√§tsel √ľber die 80er Jahre l√∂sen. Das Buch war eine Hochschaubahnfahrt durch Nostalgie und kulturelle Jugenderinnerungen an Sternenkriege, Konsolenspiele oder auch Popmusik, die damals noch lustigere Frisuren trug als heute.

Herrschaftskultur

Es ging irgendwie um die Rettung der Welt. Aber vor allem um einen kulturellen Triumphzug, der sehr viel mit der Silicon-Valley-Gegenwart da drau√üen zu tun hat: Nerds regieren inzwischen die Welt, und die 80er, von Rollenspielen bis Star Trek, bergen ihre Herrschaftskultur. ‚ÄěReady Player One‚Äú ist ihre Emanzipationsgeschichte und ihr Kr√∂nungsmythos.

Das war unterhaltsam und flott und irgendwie zwar schon ein wenig irre, aber auf sympathische Art. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis ‚ÄěReady Player Two‚Äú, schlau betitelter Nachfolger des Bestsellers, erscheinen sollte (ab morgen im Handel).

Aber wer sich auch nur ein bisschen in der Popkultur auskennt (andere w√ľrden das Buch eh nicht lesen), wei√ü, wie das so ist mit Fortsetzungen. Wade wird wieder durch die virtuelle Welt losgeschickt, erneut auf Schnitzeljagd durch die Popkultur. Diesmal schie√üen etwa ein Haufen Prince-Klone Laserstrahlen aus ihren E-Gitarren.

Aber die Tour de √úber-Nerd ist √ľbelgelaunt. Wades Welt ist vom Verspielten ins Zwanghafte gekippt, wie jene Momente in einem Game, in denen man monotone Aufgaben erledigen muss, um sp√§ter gegen den Endgegner bestehen zu k√∂nnen. ‚ÄěReady Player Two‚Äú macht, leider, so viel Spa√ü wie ‚ÄěDirty Dancing 2‚Äú, ‚ÄěGhostbusters 3‚Äú oder, horribile dictu, die ‚ÄěStar Wars‚Äú-Episoden eins bis drei. Ja, die mit Jar Jar Binks. Schade drum.

Um diesen Artikel lesen zu k√∂nnen, w√ľrden wir Ihnen gerne die Anmeldung f√ľr unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierf√ľr keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und √ľberall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare