Horror-Fortsetzung: David Cronenberg als diabolischer Clan-Chef

David Cronenberg als Bösewicht nahm sich in der Horror-Fortsetzung „Ready or Not 2“ Trump zum Vorbild.
Kathryn Newton und Samara Weaving sind an Armlehnen gefesselt.

Von Gabriele Flossmann

Teil 1 dieses Thrillers war – vor nunmehr 7 Jahren – eine erfreuliche Abwechslung innerhalb seines Genres. Der Film, in dem eine Frau namens Grace herausfindet, dass die wohlhabenden Familienmitglieder ihres neuen Ehemanns rücksichtslose Kapitalisten und intrigante Teufelsanbeter sind, wurde zum parodistischen Splatter-Rundumschlag.

Teil 2 baut nun auf der Prämisse des Vorgängers auf. Grace – wieder gespielt von Samara Weaving – hat die Höllennacht (im wahrsten Sinne des Wortes) überlebt. Mit einigem Erklärungsbedarf: Wo kommen die Leichen in der abgebrannten Villa her? Wer oder was hatte das Feuer ausgelöst? Ihre entfremdete – um nicht zu sagen: verfeindete – Schwester Faith hilft ihr dabei, die Vorgeschichte zu rekonstruieren.

Doch der eigentliche „Spaß“ beginnt erst, als der von David Cronenberg lustvoll diabolisch angelegte Clan-Chef Chester Danforth erfährt, dass Grace ihre Höllen- und Hochzeitsnacht überlebt hat und damit zu einer mächtigen Konkurrentin geworden ist. Nach der Beseitigung ihrer angeheirateten Sippschaft ist sie selbst in den „Hohen Rat“ der Satanisten nachgerückt.

Während Teil 1 dieses Horror-Spektakels noch vor der zweiten Donald-Trump-Ära ins Kino kam, nimmt Cronenberg als Filmbösewicht des zweiten Teils etliche Anleihen beim aktuellen Präsidenten der USA. In einer der witzigsten Szenen des Films sieht man ihn, wie er die Kriegsberichte eines Kabelsenders verfolgt. Er ruft dort an, um einen Waffenstillstand auszuhandeln, der dann live im Fernsehen verkündet werden soll. Danach schwärmt er in einem mysteriösen Gruppenchat von seinen weltpolitischen „Erfolgen“. Damit fällt er seiner Umwelt so lange auf die Nerven, bis seine eigenen Kinder ein tödliches Attentat auf ihn verüben. Aber nicht nur David Cronenberg ist sichtlich mit Spaß bei der abgründigen Sache. Elijah Wood gibt mit überlegenem Grinsen die Rolle des Beraters im satanischen wie auch im irdischen Chaos. Er legt fest, wie nach Danforths Tod die Thronfolge geregelt werden soll. Eigentlich hätte ja Grace den letal geleerten Thron besteigen sollen, aber da es andere Clan-Mitglieder ebenfalls darauf abgesehen haben, muss sie um ihr Leben fürchten.

Von da an wird es unübersichtlich: Zu den Verfolgern gehören die Danforth-Zwillinge, der Scharfschütze Ignacio El Caido, die Schwertkämpferin Wan Chen Xing und noch diverse andere Satanisten und/oder Kapitalisten – sowie deren Kinder, Geschwister und Partner. Wer also die relative Schlichtheit vom ersten Teil dieses Horror-Szenarios schätzte, könnte im zweiten Teil von der schieren Anzahl an Kämpfern und Schauplätzen abgeschreckt werden. Und auch die Gewalt gegen die weiblichen Protagonistinnen wirkt mitunter allzu brutal für einen Horrorfilm, der gerne auch Parodie sein möchte.

Und damit sind wir beim Kern des Films: Er will Spaß machen. Dafür sollte das Publikum in Kauf nehmen, dass er zugunsten einer actionreichen Entwicklung der „Story“ auf jede Form von Logik verzichtet. Die Splatter-Sequenzen sind exzessiver, die Location ist vielfältiger, die Besetzung prominenter. Man merkt dem Film an, dass er aus dem respektablen Erfolg des Vorgängers einen Goldesel machen will, der beliebig viele Fortsetzungen und Spin-offs in klingende Münze verwandeln kann.

INFO: USA 2026. 108 Min. Von Matt Bettinelli-Oplin, Tyler Gillett. Mit Samara Weaving, Elijah Wood.

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