Nach Tumult: Dieses Schauspielhaus setzt nun auf Securitys

Am Bochumer Schauspielhaus kam es bei einer Erstaufführung zu Handgreiflichkeiten. Nun werden Sicherheitsleute weitere Vorstellungen sichern.
Schauspielhaus Bochum

Zusammenfassung

  • Nach Handgreiflichkeiten bei der Premiere des kontroversen Stücks am Bochumer Schauspielhaus werden künftig Sicherheitskräfte eingesetzt.
  • Während eines radikalen Monologs versuchten Zuschauer, den Schauspieler von der Bühne zu zerren, was das Ensemble erschütterte.
  • Die Theaterleitung verteidigt das Stück als wichtigen politischen Beitrag und betont die Bedeutung kontroverser Diskussionen im Theater.

Nach dem Tumult bei einer Premiere am Bochumer Schauspielhaus sollen Sicherheitskräfte nun die weiteren Vorstellungen sichern. Dazu habe man sich nach den Vorfällen am vergangenen Samstag bis auf Weiteres entschieden, sagte die stellvertretende Intendantin Angela Obst der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung".

Während eines gut zehnminütigen "Monologs eines Faschisten" am Ende des Stückes "Catarina oder Von der Schönheit, Faschisten zu töten" hatten zwei Zuschauer versucht, den Schauspieler Ole Lagerpusch von der Bühne zu zerren. Es kam zu Handgreiflichkeiten. In dem Schlussmonolog hält ein faschistischer Regierungschef eine Rede, die immer radikaler wird und Fremdenhass, Schwulenhass und Frauenfeindlichkeit bedient.

Theater verteidigt kontroverses Stück

Der Vorfall habe das Ensemble und die Beteiligten zutiefst erschrocken, schilderte die Vize-Theaterchefin im Interview. "Dass so ein Übergriff passieren würde, konnte niemand voraussehen. Wir waren noch lange beieinander und haben viel gesprochen", sagte Obst weiter. 

Buhrufe, Pfiffe oder den Saal zu verlassen, seien akzeptable Mittel, seinen Unmut kundzutun. "Aber hier wurde eindeutig eine Grenze überschritten."

Gleichzeitig verteidigte Obst das Stück des portugiesischen Autors Tiago Rodrigues und der Regisseurin Mateja Koležnik als smarten, gleichwohl harten politischen Stoff, der das Publikum in Gewissenskonflikte bringen könnte - ohne es auf einen Skandal abzusehen. Auch in den Publikumsgesprächen nach den Vorstellungen sei daher lange und kontrovers diskutiert worden. "Das ist doch wunderbar, wenn das Theater ein Ort für politische Auseinandersetzung ist", sagte Obst der Zeitung.

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