© Sophia Wiegele

Kultur
07/09/2022

Perchtoldsdorf: Ein verschleppter, poetischer Jux

Kritik: Intendant Michael Sturminger verabschiedet sich mit „Molière" von Michail Bulgakow.

von Guido Tartarotti

Mit dem passenden Stück – „Molière oder Der Heiligenschein der Scheinheiligen“ – beendet Michael Sturminger nach neun Jahren seine Intendanz bei den Sommerfestspielen Perchtoldsdorf. Passend, denn der sowjetische Schriftsteller Michail Bulgakow  hinterfragt darin die Arbeit des Theatermachers und dessen Verhältnis zur Macht. Wenn Bulgakow „Molière“ schreibt, meint er sich selber, der Sonnenkönig Ludwig XIV. steht für Stalin, die Kirche für die Geheimpolizei.

Das Stück beginnt  im Stil von „Der nackte Wahnsinn“ mit turbulenten Vor-der-Bühne-/Hinter-der-Bühne-Szenen, und endet wie eine „Jedermann“-Paraphrase mit einer Leichen-Prozession. Dazwischen stehen zwei Stunden und 45 Minuten Jux und Tollerei, mehr oder weniger zündende Späße, aber auch traurige Poesie und die Tragödie eines alternden Künstlers, der die Gunst des Königs und der Frauen verliert und von der Kirche denunziert wird.

Die Text-Neufassung ist gelungen, gespielt wird großteils sehr gut. Michou Friesz etwa schafft eine hinreißende Parodie eines Königs, Hannah Rang ist eine verführerische Armande, Milena Arne Schedle ein vorwitziger Moyron. Nikolaus Barton sammelt als wienerischer Hofnarr Lacher ab. Wojo von Brouwer ist erst im Untergang ein interessanter Molière.

Was diesen charmanten Theaterabend leider doch sehr bremst, ist die seltsam verschleppte Inszenierung von Sturminger.

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