Kultur
03.09.2018

"Ozark": Es rollen die Dollar – und Köpfe

Marty Byrdes Geschäfte mit US-Hinterwäldlern und der Mafia gehen auf Netflix in die zweite Staffel.

Die Verzweiflung steht Marty Byrde ( Jason Bateman) ins Gesicht geschrieben: Wo ist der Ausgang aus diesem endlosen Schlamassel? Wo ist die Notbremse, mit der er sich und seiner Familie ein Leben ohne Angst ermöglicht?

Auf diese überlebensnotwendige Fragen findet der aalglatte Anlageberater Marty seit Folge eins von „ Ozark“ keine Antworten. Stattdessen wird er immer weiter (nicht ganz unfreiwillig) auf die kriminelle Seite gezogen, von der mexikanischen Drogenmafia, für die er ihr schmutziges Geld wäscht, vereinnahmt – und folglich auch abhängig.

Um den eigenen Hals, den seiner Frau Wendy ( Laura Linney) und seiner zwei Kinder – Charlotte (Sofia Hublitz) und Jonah (Skylar Gaertner) – aus der Schlinge zu ziehen, bietet er sich an, am Ozark Lake Geldwäsche in großem Stil zu betreiben.

Dort, in der tiefsten US-Provinz zwischen den Bundesstaaten Missouri, Arkansas, Kansas und Oklahoma leben die Hillbillys (Hinterwäldler), die Trump-Wähler, auf die der gebildete US-Amerikaner in der Großstadt verächtlich herabblickt.

Kein Mensch würde da auf die Idee kommen, dass dort ein Drogenkartell seine Gelder von Marty Byrde waschen lässt; oder die alteingesessene wie skrupellose Farmerfamilie Snell keinen Mais, sondern Mohn zur Heroin-Gewinnung anbaut.

Vorbilder

Das mordlüsterne Treiben eines mexikanischen Drogenkartells, dazu noch ein Familienvater, der immer weiter in die sogenannte „Rue de la Gack“ abgleitet – das kommt einem irgendwie bekannt vor. Stimmt, es klingt nach dem HBO-Erfolgsformat „ Breaking Bad“ – aber mit einem atmosphärischen Unterschied: Die beiden Ideengeber, Bill Dubuque und Mark Williams, haben ihre Geschichte in einer trostlose Seenlandschaft angesiedelt. Während sich Walter White in „Breaking Bad“ mit schwarzem Humor durch die Wüste von New Mexico lügt, geht bei „Ozark“ nie die Sonne auf.

Mit der soeben veröffentlichten zweiten Staffel grenzt sich die erstklassig besetzte Serie dann auch klarer von seinem Vorbild ab. Die Geschichte geht in die Tiefe und die Geschäfte der Familie Byrde eskalieren immer weiter. Von wegen gesittetes Bürgertum und heiles Landleben.

Info: Auf Netflix stehen ab sofort die ersten beiden Staffeln von „Ozark“ mit insgesamt 20 Folgen zum Abruf bereit.