Kultur
02.09.2018

ORF-Quoten im August so schwach wie nie zuvor

Keiner in der Sender-Familie war besser als vor einem Jahr. Davon profitieren die Privatsender.

Trotz „Liebesgschichten und Heiratssachen“, dem seher-stärksten Format des ORF abseits seiner Info-Sendungen, haben im August wieder zahlreiche TV-Konsumenten die Scheidung vom Öffentlich-Rechtlichen vollzogen. ORFeins, ORF2, ORFIII und ORF Sport+ fallen nach vorläufigen August-Zahlen gemeinsam auf einen Marktanteil von nur noch 30 Prozent in der Zielgruppe 12 Jahre und älter – der schlechteste Wert in der ORF-Historie! Keiner seiner vier TV-Sender konnte sich bei den Sehern ab 12 Jahren gegenüber August 2017 verbessern.

Besonders deutlich fiel der Verlust diesmal bei ORF2 aus, das von 20,8 auf 19,1 Prozent abstürzte. Schwer unter die Räder kam man insbesondere bei jüngeren Zusehern – ein nächstes Alarmzeichen für die ORF-Zukunft. Relativ gesehen hat das ohnehin nur auf Sparflamme sendende ORF Sport+ das größte Minus hinnehmen müssen.

ORFeins konnte sich in der jungen Zielgruppe einigermaßen behaupten – im Vorjahr sorgte das Sommermärchen der Frauen-Fußball-Nationalmannschaft für überragende Quoten. ORFIII liegt stabil auf niedrigem Niveau.

Die Verantwortung liegt nun einzig bei ORF-Geschäftsführer Alexander Wrabetz, der mit Segen des nun türkis-blau dominierten Stiftungsrates auch oberster Programm- sowie Info-Chef geworden ist. Die von ihm erst jüngst berufenen Channel-Manager müssen jetzt trotz knapper Kassen schnell liefern. Strategische wie strukturelle Defizite – keine sender-übergreifende Programmplanung, verwaschene Zielgruppenansprache, gegenseitiges Kannibalisieren – werden sie aber nur teilweise auflösen (können).

Gewinner auf dem konkurrenzstarken heimischen TV-Markt ist zunächst die ProSieben-Gruppe: Sowohl ihre großen deutschen Sender als auch Puls4 und ATV legten in der werberelevanten Zielgruppe (12 – 49 Jahre) zu. Die ProSieben-Gruppe gewann im Vergleich zum August 2017 (+ 2,6 Prozent) und zum Vormonat (+ 4,7) dazu, was sich u. a. auf einer besseren Daytime und schwachen Werten während der Fußball-WM gründet. Leichte Zugewinne konnten zudem ServusTV sowie die RTL-Gruppe verbuchen.