Österreichs Pavillon schlägt bei Architekturbiennale 2027 Brücke nach Bosnien
"Koncesija/Konzession/Konzession": Unter diesem Motto wird ein dreiköpfiges Team 2027 den österreichischen Pavillon auf der Architekturbiennale von Venedig bespielen.
Die grundlegende Idee des Projekts ist dabei, die prominente Schaufläche auf der internationalen Ausstellung "in partnerschaftlicher Konzession an Bosnien und Herzegowina zu vergeben", hieß es bei der Präsentation des Beitrags im Architekturzentrum Wien (AzW) am Dienstag: In dieser Form will man die starke Bindung zwischen Österreich und Bosnien-Herzegowina betonen, der dortigen Architekturszene mehr Sichtbarkeit geben - und darauf hinweisen, dass Bosnien und Herzegowina als einziger Staat des ehemaligen Jugoslawien bisher keine eigene Schaufläche bei der Architekturbiennale Venedig besitzt.
"Starkes Zeichen"
Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) bezeichnete den aus einem dreistufigen Auswahlverfahren hervorgegangenen Beitrag bei der Präsentation als "starkes kulturpolitisches Zeichen", das die außenpolitische Tradition Österreichs als Vermittler hervorhebe. Außerdem erkenne der Beitrag die starke historische Verflechtung der beiden Länder sowie den Umstand, dass die bosnische Diaspora "längst selbstverständlich Teil der österreichischen Gesellschaft ist", so Babler. Mit rund 168.000 in Österreich lebenden Personen gehören Bosnier zu den größten Migrantengruppen des Landes.
Sarajevo-Wien
Die in Bosnien-Herzegowina geborenen Zwillingsschwestern Adna und Ajna Babahmetović (*1992), die ein gemeinsames Architekturstudio betreiben und auch lehren, zeichnen gemeinsam mit dem Filmexperten Sebastian Höglinger nun für den Beitrag verantwortlich, der den prominenten Schauraum in ein "diplomatisches Parkett" verwandeln soll. Besucherinnen und Besucher des 1934 eröffneten Repräsentationsbaus in den Biennale-Giardini werden gemäß dem Konzept mit architektonischen Elementen aus dem "Holiday Inn" Hotel in Sarajevo konfrontiert.
Besagtes Hotel (heute "Hotel Holiday"), aus Anlass der olympischen Winterspiele gebaut und 1983 eröffnet, hat selbst eine bewegte Geschichte - so diente es zunächst Radovan Karadžić als Versammlungsort und zeitweiliger Wohnort, während des Krieges wurden internationale Pressevertreter hier einquartiert.
In der durch Architekturelemente ins Bewusstsein gerufenen Hotellobby will das kuratorische Trio während der Biennale-Laufzeit verschiedenste Aktivitäten abhalten - Austauschveranstaltungen internationaler Architekten- und Studierendengruppen werden etwa kokett als "Staatsbesuche" definiert. "Wir möchten aber garantieren, dass der Besuch auch lustvoll sein wird", versprach Höglinger, der als früherer Co-Geschäftsführer der Grazer Diagonale auch einen Filmschwerpunkt verantwortet und dabei Kooperationen mit der Viennale und dem Filmfestival von Sarajevo eingefädelt hat.
Staatsbesuch und -budget
Das vom Bund zur Verfügung gestellte Budget für den Beitrag beträgt - wie schon bei vorherigen Ausgaben sowie der heuer stattfindenden Kunstbiennale - 600.000 Euro. Zusätzliche Sponsoren muss das kuratorische Team selbst einfädeln - hier gebe es auch Interessenten aus Bosnien, erklärte Babahmetović. Staatliche Förderung aus Bosnien und Herzegowina sei bis dato keine zugesagt, was auch an der administrativen Aufteilung des Landes und damit einhergehenden bürokratischen Hürden liege. Dennoch wolle man in der Hotel-Lobby dafür lobbyieren, dass der Balkanstaat künftig mit einem eigenen Pavillon auf der Biennale vertreten ist.
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