Künstler wie Hedy Lamarr, Billy Wilder,  Otto Preminger und viele andere prägen
Los Angeles bis heute.
 

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Kultur
11/01/2019

Österreichs Erben in Hollywood

Gedenken in Hollywood. Wie Künstler aus Österreich die Stadt der Engel bis heute prägen.

von Gert Korentschnig

Es begab sich im Jahr 1969, dass Thomas Klestil, der damalige Generalkonsul und spätere Bundespräsident, in einem aufgelassenen Friseursalon im Beverly Wilshire Hotel, bekannt aus dem Film „Pretty Woman“, die erste offizielle österreichische Repräsentanz in Los Angeles eröffnete. Heute, 50 Jahre später, erinnert das Generalkonsulat unter der Leitung von Andreas Launer nicht nur an diesen Anlass, sondern generell an das österreichische Erbe in L. A., das einzigartig ist: mit einer Fotoausstellung, einer „Wall of Fame“ im Konsulat; mit einer Diskussion zum Thema „Austrian Heritage in Los Angeles“, die soeben im vom Österreicher Rudolph Schindler 1933 gebauten Oliver House im Stadtteil Silverlake stattfand; und mit einer für Herbst 2020 geplanten Filmreihe, „Vienna in Hollywood“, im von Renzo Piano entworfenen Oscar-Museum, das im Frühjahr eröffnen soll. Die Kuratorin in diesem spektakulären Gebäude mit Kinos und 28.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche: Doris Berger, eine Österreicherin.

Die Pioniere

„Schon in den frühen 1920er-Jahren, als die Filmindustrie mächtig wurde und die großen Firmen ihre Studios bauten, waren Österreicher in Hollywood präsent“, erzählt sie. Henry Lehrman, der auch mit Charlie Chaplin an seinen frühen Filmen arbeitete, war einer der Pioniere. Der Schauspieler begann 1912, in den Mack Sennett Studios zu arbeiten. Schon bald folgten ihm die Regisseure Erich von Stroheim und Josef von Sternberg, die sich in Hollywood, obwohl sie jüdische Wurzeln hatten, als katholische Aristokraten ausgaben. „Das passte zum Zeitgeist und war sehr populär“, sagt Victoria Preminger, Tochter der Hollywood-Legende Otto Preminger.

Ihr Vater wanderte 1935 in die USA aus und wurde dort neben seinen Theater-Inszenierungen zu einem der vielseitigsten Filmregisseure. Er revolvierte jedoch gegen das System, unter anderem mit provokanten kirchenkritischen Themen („Der Kardinal“), änderte eigenmächtig Drehbücher, wurde entlassen und in Folge zu einem unabhängigen Produzenten, der auch als Schauspieler in der TV-Serie „Batman“ zu sehen war, als Mr. Freeze. Victoria Preminger, die als Kind immer mit am Set war, wurde selbst Produzentin und erzählt: „Zuletzt waren die Rechte-Inhaber von Batman bei mir und haben gefragt, ob sie meinen Vater als kleinen Plastik-Mister-Freeze bauen dürfen. Ich habe dafür ein paar Dollar bekommen.“

Preminger war aber nur einer von vielen Juden im Kunst- und Kulturbereich, die von den Nazis vertrieben wurden und in L. A. ein neues Leben aufbauten. Auch Max Reinhardt, Billy Wilder, Fred Zinnemann, die Schauspieler Hedy Lamarr, Paul Henreid („Casablanca“), Peter Lorre, die Produzenten Eric Pleskow, Arnold Pressburger und Sam Spiegel sowie die Komponisten Arnold Schoenberg, Erich Wolfgang Korngold, Ernst Toch, Eric Zeisl, Ernst Krenek, Walter Jurmann u. v. a. mussten über Nacht flüchten. Ein unersetzlicher künstlerischer Verlust, der gleichzeitig Amerikas Kultur bereicherte.

Die Musik-Genies

„Manche Komponisten haben sich mit Hollywood arrangiert und Filmmusik komponiert“, sagt Barbara Zeisl Schoenberg, Tochter von Eric Zeisl und Schwiegertochter von Arnold Schoenberg, den sie jedoch persönlich nie traf – er starb, als sie elf war. Eric Zeisl schrieb die Musik zum Lassie-Film „Heimweh“ (1943) und zu „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ (1946). „Aber er hat diese Arbeit richtig gehasst. Da ein paar Töne, dort eine Melodie, der Film war nichts für ihn.“

Erich Wolfgang Korngold komponierte die Musik für 19 Filme und gewann zwei Oscars, unter anderem für „Die Abenteuer des Robin Hood“. Max Steiner, der als Begründer der Filmmusik gilt, wurde 24-mal nominiert und erhielt drei Statuetten. Arnold Schoenberg war zu keiner Hollywood-Konzessionen bereit und blieb seiner radikalen Linie treu. „Im Radio wurden österreichische Komponisten aber konsequent gespielt“, sagt Barbara Zeisl Schoenberg, Musikwissenschafterin und Uni-Professorin. Bis 1949 ein neuer künstlerischer Nationalismus einsetzte. America first – kennen wir auch von heute.

„So gut wie alle Österreicher haben sich im Haus von Salka Viertel (Schauspielerin, Drehbuchautorin, Anm.) getroffen“, erzählt Tim Zinnemann, Sohn des vierfachen Oscar-Gewinners Fred Zinnemann. „Dort gab es wöchentliche Salons.“ Und Doris Berger von der Academy of Motion Pictures ergänzt: „Für manche war es anfangs nicht so leicht, einen Job zu bekommen. Für sie gründete Paul Kohner, der in den frühen 1920er-Jahren aus Böhmen nach Los Angeles kam, eine eigene Agentur.“

Aber warum gingen so viele gerade nach Los Angeles? „Das hat sicher damit zu tun, dass es eine vielfältige, weltoffene Stadt war – wie Wien vor dem Krieg und auch heute wieder“, begründet Andreas Launer.

Die Oscar-Gewinner

William S. Darling, geboren als Vilmos Béla Sándorházi, gewann 1933 als erster Österreicher einen Oscar: Für die beste Ausstattung in „Cavalcade“. Vier Jahre später wurde Paul Muni als bester Schauspieler für „The Story of Louis Pasteur“ ausgezeichnet. Diesen Preis gewann 1962 auch Maximilian Schell für „Das Urteil von Nürnberg“. 2010 und 2013 folgte Christoph Waltz als bester Nebendarsteller für „Inglorious Basterds“ bzw. „Django Unchained“.

Bei den Regisseuren war Michael Curtiz 1944 mit „Casablanca“ der erste österreichische Oscar-Gewinner, Billy Wilder wurde (auch als Drehbuchautor) insgesamt 15-mal nominiert und siegte viermal, Stefan Ruzowitzky gewann 2008 für „Die Fälscher“ den Oscar für den besten fremdsprachigen Film, Michael Haneke 2013 für „Amour“. Robert Dornhelm wurde 1978 für „Children of Theatre Street“ nominiert.

Die großen Architekten

Aber auch in der Baukunst haben österreichische Architekten massive Spuren in L. A. hinterlassen. „Als Rudolph Schindler in den 1920er-Jahren nach Los Angeles kam, war das eine Stadt mit 300.000 Einwohnern. Heute ist das eine Megalopolis mit 14 Millionen. Und viele große amerikanische Architekten, bis hin zu Frank Gehry, sind ohne Schindler nicht denkbar“, analysiert der Architekt Axel Schmitzberger, der in Kalifornien eine Professur hat und dessen Ausstellung „Resident Alien“ über österreichische Architekten in Amerika gerade im New Yorker Kulturforum läuft. Neben Schindler waren auch Richard Neutra, Österreichs erste Architektin Ella Briggs, Victor Gruen, der Erfinder der Shopping Malls, oder Raimund Abraham prägend für L. A. Zuletzt baute Coop Himmelb(l)au dort eine Schule.

Einst waren es also Pioniere, dann emigrierte Juden, die nach Kalifornien kamen, danach waren etwa der Bodybuilder, Schauspieler und Gouverneur Arnold Schwarzenegger oder der Koch Wolfgang Puck extrem erfolgreich, heute ist Christoph Waltz einer der populärsten Österreicher in L. A.

Haben junge Talente heute überhaupt noch eine Chance, wenn sie nach LaLaLand gehen? „Das ist eine sehr österreichische Frage, mit einem pessimistischen Zugang“, sagt Barbara Zeisl Schoenberg. „Natürlich haben sie eine Chance.“

Aus Los Angeles: Gert Korentschnig

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