APA12770848-2 - 18052013 - SALZBURG - ÖSTERREICH: ZU APA-TEXT KI - SALZBURGER PFINGSTFESTSPIELE - (v.l.) Rebeca Olvera als "Adalgisa" (Priesterin im Tempel der Irminsul) und Cecilia Bartoli als "Norma" (Druidin, Tochter von Oroveso) während einer Fotoprobe der Oper "Norma" im Haus für Mozart (undatiertes Archivbild). Premiere: 17. Mai 2013. +++ WIR WEISEN AUSDRÜCKLICH DARAUF HIN, DASS EINE VERWENDUNG DES BILDES AUS MEDIEN- UND/ODER URHEBERRECHTLICHEN GRÜNDEN AUSSCHLIESSLICH IM ZUSAMMENHANG MIT DER AKTUELLEN BERICHTERSTATTUNG ÜBER DIE SALZBURGER PFINGSTFESTSPIELE ERFOLGEN DARF - VOLLSTÄNDIGE COPYRIGHTNENNUNG VERPFLICHTEND +++ APA-FOTO: HANS JÖRG MICHEL

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Salzburger Festspiele
08/18/2013

"Norma": So echt und wahrhaftig ist Oper selten

Kritik: Die große Sängerin und Darstellerin Cecilia Bartoli als Bellinis "Norma" im Haus für Mozart

von Gert Korentschnig

Das Bild beim Schlussapplaus war symptomatisch für die ganze Produktion: Auf der Bühne gab es noch so dichten Rauch – vom Feuer, in dem Norma und Pollione soeben umgekommen waren –, dass man die sich verbeugenden Protagonisten kaum sah. Nur langsam löste sich der Rauch auf, und man merkte, dass es sich doch um Theater handelte.

Wenn Cecilia Bartoli, die große Sängerin aus Rom, zu einer Opernaufführung ruft, nein empfängt, dann ist alles authentisch und nichts gekünstelt. Echtheit kommt vor Schönheit.

Diesfalls also Bellinis „Norma“, womit sie schon bei den Salzburger Pfingstfestspielen triumphiert hatte: Sie erreicht in ihrem Spiel und ihrem Gesang eine Intensität wie kaum eine andere Künstlerin, bei ihr geht es auch bei diesem dem Belcanto-Fach zugeordneten Werk um Ausdruck und Wahrhaftigkeit.

Man nimmt ihr die Liebende, die ratlos ist, als sich der Vater ihrer Kinder (Pollione) einer anderen (Adalgisa) zuwendet, in jedem Moment ab. Ihre Leidenschaft. Ihr Rasen. Ihre Verzweiflung. Ihre Kehrtwendung, als sie gemeinsam mit Pollione in den Tod geht.

Dennoch singt sie etwa die Bravourarie „Casta Diva“ traumhaft, zart, glaubhaft im Gebetston, aber dennoch mit den nötigen Koloraturen versehen. Mit dieser Rolle, gegen alle Traditionen etwa einer Maria Callas besetzt, setzt La Bartoli wieder einmal Maßstäbe. Und der Jubel des Publikums, das sie im Rauch auf der Bühne erahnt, ist völlig verständlich.

Exzellente Partner

Aber auch die anderen Sänger an dieser restlos ausverkauften Produktion sind famos: Rebeca Olvera als Adalgisa – mit leichtem, schön geführtem Sopran (anstatt wie üblich mit einem Mezzo besetzt); John Osborn als Pollione mit fabelhaften Höhen, schönem Timbre und auch viel Kraft; Michele Pertusi als Oroveso mit sonorem Bass.

Das Dirigat von Giovanni Antonini, der das Originalklang-Orchester La Scintilla (nicht wie in der Ankündigung irrtümlich vermeldet den Giardino Armonico) leitet und zur Höchstform bringt, ist exzellent. Seine „Norma“ ist differenziert, dynamisch klug ausbalanciert, klanglich prachtvoll und in vielen Momenten enorm temporeich. Antonini rockt das Haus für Mozart und ist Bartoli ein idealer Partner.

Die Inszenierung von Moshe Leiser/Patrice Caurier ist in der Zeit des Zweiten Weltkrieges angesiedelt, mit Widerstandskämpfern und keinerlei Druiden. Sie besticht durch ihre Personenführung – vor allem die Finali der beiden Akte sind zutiefst berührend. Diese Regie ist aber wohl ohnehin in erster Linie dazu da, ein inhaltlich schwieriges Werk einigermaßen zeitgemäß zu präsentieren. Und einen roten Teppich für Cecilia Bartoli auszulegen. Das ist geradezu ideal gelungen.

KURIER-Wertung: ***** von *****

Szenenfotos der Salzburger "Norma"

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