Familienvater mit Killerinstinkt: Krasse koreanische Satire "No Other Choice"

46-222282709
Der „Squid Game“-Star Lee Byung-hun verliert seinen Job und wird zum Mörder in Park Chan-wooks grausam-komischer Gesellschaftssatire.

Sie sind gefeuert. Begründung: „No Other Choice – Wir haben keine andere Wahl.“ 

Der koreanische Familienvater Man-su steht am Abgrund seiner Existenz. Radikale Sparmaßnahmen für ihn und seine Familie sind die Folge: Das Netflix-Abo wird gekündigt, das Magazin für Bonsai-Bäume auch. Sogar das Eigenheim steht auf dem Spiel. Um sich selbst die besten Chancen bei der nächsten offenen Stelle herauszuschlagen, beginnt Man-su die stärksten Mitbewerber auszuforschen. „Ach, wenn sie doch vom Blitz getroffen würden“, scherzt die Ehefrau – und da kommt ihm der zündende Einfall: Was, wenn er die potenziellen Konkurrenten aus dem Weg räumt, um sich selbst die besten Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu sichern?

In einem Film von Park Chan-wook ist das eine gute Idee. Der Regisseur aus der südkoreanischen Meisterriege ist berühmt für sein moralisch komplexes und visuell ausgefeiltes Filmschaffen. Aufmerksamen Kinogehern blieb er aufgrund seines beispiellos brutalen Rachethrillers „Old Boy“ in blutiger Erinnerung; oder wegen der bildhaften Schönheit seines Films „Die Taschendiebin“.

Für „No Other Choice“ hat er in dem koreanischen „Squid Game“-Star Lee Byung-hun seinen kongenialen Hauptdarsteller gefunden. Als arbeitsloser Man-su changiert Lee gekonnt zwischen komischer Verzweiflung und entschlossener Mordlust, zwischen Familiensinn und Killerinstinkt.

Zuerst will man ja gar nicht glauben, dass es der nette Man-su mit seinen Tötungsabsichten ernst meint. Aber Park schreckt auch vor schockhaften Wendungen nicht zurück. Die Notwendigkeit, auf einem erbarmungslosen Arbeitsmarkt einen Job zu finden, verwandelt seinen freundlichen Protagonisten in einen grausamen Mörder.

Tödlicher Slapstick

Dabei versteht es der Regisseur vorzüglich, die Intensität seiner exzessiven Gesellschaftssatire lauter und leiser zu drehen wie ein Musikstück im Radio. Manchmal schlägt er zärtliche Töne an, etwa, wenn Man-su mit seiner Frau im Schlafzimmer ein Tänzchen einübt. Dann wieder wird es schrill und grotesk, wenn Man-su sein Opfer in dessen Haus aufsucht. Die Begegnung startet komisch-klamaukhaft, findet einen Höhepunkt in einer Art Slapstick-Balgerei – und am Ende ist einer tot.

46-222282788

Tödlicher Slapstick: "No Other Choice".

Immer originell, lässt sich Park in seiner eleganten Inszenierung zu jedem Bild etwas Neues einfallen: So nimmt er die Perspektive eines Schnapsglases ein, das auf dem Grund eines Bierkrügels versenkt wird; oder er entwirft farbschöne Kompositionen mithilfe roter Gummistiefel.

Spürbar auch der Hitchcock-Einfluss, wenn er vor rauschendem Meer einen Mord auf der Küstenstraße choreografiert.

Nicht ganz unähnlich seinem koreanischen Kollegen Bong Joon-ho und dessen Klassenkampf-Drama „Parasite“, spitzt auch Park Chan-wook seine abwechslungsreiche Gesellschaftssatire zwischen krasser Komödie, delirierendem Humor und (ultrabrutalem) Hardecore-Thriller zur scharfen Kritik an der modernen Arbeitswelt zu.

Aber Gesellschaftskritik hin oder her – Park Chan-wook will sein Publikum in erster Linie nicht belehren, sondern unterhalten. Und das gelingt ihm ganz ausgezeichnet, auch wenn man dazu manchmal einen starken Magen braucht.

INFO:  KOR 2025. 139 Min. Von Park Chan-wook. Mit Lee Byung-hun, Son Ye-jin.

Kommentare