Nach Kunstdiebstahl in Italien: Ermittlungen laufen auf Hochtouren

Der Wert der drei gestohlenen Bilder von Renoir, Matisse und Cézanne in der "Villa dei Capolavori" wird auf 9 Millionen Euro geschätzt
Paintings by Renoir, Cezanne and Matisse stolen from Italian museum

Nach dem spektakulären Kunstdiebstahl in der "Villa dei Capolavori" (Villa der Meisterwerke) im norditalienischen Traversetolo nahe Parma laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Der Wert der drei entwendeten Gemälde von Renoir, Matisse und Cézanne wird von Experten auf neun Millionen Euro geschätzt, berichteten die Ermittler.

Eine vierköpfige auf Kunstdiebstähle spezialisierte Bande entwendete in der Nacht auf den 23. März in nur drei Minuten die drei Bilder. Ein viertes Werk verloren die Diebe offenbar während der Flucht. Dabei soll es sich um ein Renoir-Gemälde ("Paysage de Cagnes") handeln, das im ersten Stock der Stiftung Magnani-Rocca ausgestellt war. Das zurückgelassene Bild sowie Aufnahmen von Überwachungskameras werden derzeit von den Carabinieri und der Spezialeinheit zum Schutz des Kulturguts ausgewertet.

Videoaufnahmen zeigen vier vermummte Täter

Bei den gestohlenen Werken handelt es sich um kleinformatige, aber äußerst wertvolle Gemälde. Renoirs "Les Poissons" (1917) wird auf etwa sechs Millionen Euro geschätzt. Cézannes Aquarell "Stillleben mit Kirschen" (1890) hat einen Wert von rund drei Millionen Euro. Der Wert von Matisses "Odaliske auf der Terrasse" (1922) liegt im Bereich von mehreren Zehntausend Euro.

Videoaufnahmen zeigen vier vermummte Täter, die gegen zwei Uhr nachts über ein rückwärtiges Tor auf das Gelände gelangten, nachdem sie Metallstäbe durchtrennt hatten. Anschließend brachen sie eine Tür auf und gelangten in den ersten Stock. Die Flucht erfolgte, als Carabinieri und ein privater Sicherheitsdienst eintrafen, der die Eindringlinge zuvor über Wärmebildkameras entdeckt hatte.

Ermittlungen konzentrieren sich auf Hehlerkreise

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Diebstahl im Auftrag ausgeführt wurde. Entsprechend konzentrieren sich die Ermittlungen auf Hehlerkreise und Personen mit Verbindungen zum illegalen Kunstmarkt. In der Vergangenheit wurden gestohlene Werke teils genutzt, um Käufer zu täuschen, indem Originale gezeigt, anschließend jedoch Fälschungen verkauft wurden.

Das 1977 gegründete Museum der Stiftung Magnani Rocca beherbergt die Sammlung des 1984 verstorbenen Kunsthistorikers Luigi Magnani. Die gestohlenen Werke befanden sich im Saal der französischen Künstler im Obergeschoss des Stiftungssitzes. Dort hängen auch Gemälde von Gentile da Fabriano, Albrecht Dürer, Tizian, Peter Paul Rubens, Anthonis van Dyck, Francisco de Goya sowie Claude Monet, Filippo de Pisis, Giorgio Morandi, Alberto Burri und Antonio Canova.

Die Stiftung Magnani-Rocca zählt zu den bedeutendsten Kunstinstitutionen Italiens. Die "Villa dei Capolavori", Sitz der Stiftung, ist eine Sammlerresidenz mit neoklassischen Möbeln. Sie ist von einem romantischen Park umgeben, mit exotischen Pflanzen, monumentalen Bäumen sowie weißen und farbigen Pfauen. Die Stiftung Magnani-Rocca erklärte, die Villa bleibe trotz des Vorfalls weiterhin für Besucher geöffnet.

Der Bürgermeister von Traversetolo, Simone Dall'Orto, sprach von einem "erschütternden Verlust", der nicht nur den materiellen Wert betreffe, sondern auch die Identität der Gemeinde.

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