Nach Kritik: YouTube verstärkt Kontrolle

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Foto: APA/AFP/LIONEL BONAVENTURE YouTube

Kritik kam von Werbekunden. Jetzt sollen Menschen und auch Algorithmen verstärkt eingreifen.

Wenn die Werbekunden sprechen, hört Google zu.

Der hinter der Videoplattform YouTube stehende Suchmaschinengigant wird künftig schärfer kontrollieren, welche Videos die Benutzer zu sehen bekommen – und zu welchen Werbung ausgespielt wird. Das gab das Unternehmen bekannt, nachdem es heuer zum wiederholten Male in die Kritik geraten war.

Zuletzt ging es um namhafte Werbekunden, die ihre Etats auf YouTube einfroren. Denn ihre Werbevideos wurden neben Content gezeigt, mit denen kein Werbekunde in Verbindung gebracht werden wollte: Neben Videos von jungen, mitunter leicht bekleideten Mädchen beim Sport, beim Spagat, in ihren Kinderbettchen. Diese Videos, oftmals von den Mädchen selbst hochgeladen, hatten pädophile Kommentare verzeichnet – und trotzdem wurden Werbungen von Lidl, der Deutschen Bank und anderen großen Unternehmen dazugespielt.

Zuvor war YouTube schon wegen keineswegs kindertauglicher Videos von Comics-Figuren und wegen extremistischer Inhalte in die Kritik geraten.

Lern, Maschine

YouTube will nun mehr menschliche Prüfer beschäftigen, um Videos auszusortieren. Die Zahl solle Google-weit auf über 10.000 Prüfer erhöht werden, schrieb YouTube-Chefin Susan Wojcicki am Dienstag. Diese sollen aber auch die YouTube-Algorithmen dabei unterstützen, zu lernen, welche Inhalte problematisch sind und entfernt werden sollten. In den vergangenen Wochen haben derartige intelligente Systeme hunderttausende Kommentare von YouTube entfernt, heißt es in dem Blogpost.

Der vermehrte Einsatz von künstlicher Intelligenz zum Durchforsten problematischer Inhalte ist ein spannender Hinweis – denn bisher kommen die Onlinegiganten nicht ohne eine große Zahl menschlicher Prüfer aus. Und deren Job – bei Google, Facebook oder anderen Plattformen problematische Inhalte zu prüfen – ist einer der belastendsten im gesamten Online-Bereich, wie man aus mehreren Reportagen und Interviews weiß.

Laut Wojcicki werden bereits 98 Prozent jener Videos, die wegen extremistischer Gewalt entfernt werden, vom Algorithmus erkannt und markiert – 70 Prozent davon acht Stunden nach dem Upload. Künftig sollen lernende Maschinen auch Kindercontent scannen oder Verhetzung erkennen können.

Die verschreckten Werbekunden werden aber auch direkt angesprochen. Es werde striktere Kriterien geben, und auch jenes Team, das für ein handverlesenes Werbeumfeld sorgt, soll aufgestockt werden.

Insgesamt war 2017 das Jahr, in dem die Onlineplattformen wegen Hass, Gewalt und andere Problemstellen wie politischer Einflussnahme zunehmend in die Kritik geraten sind. Auch Google-Kontrahent Facebook hat, nach langem Zögern und politischem Druck, zuletzt reagiert.

(kurier) Erstellt am
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