Popsängerin Ina Regen: "Meine Musik kriegt ihr nicht!“
„Innerlich zerfetzt“, sagt Ina Regen, habe sie das Jahr 2024. Obwohl sie ungeahnte Erfolge feiern konnte: Ihre Tour war überall ausverkauft, sie trat im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins auf, mit dem Album „Fast wie Radlfahrn“ erobert sie Platz drei der Charts, mit den Orchesteralbum „Was ma heut net träumen“ sogar die Spitze.
Trotzdem gab es beruflich die schwerste Erschütterung ihrer Karriere. Was genau passiert ist, darf sie aus rechtlichen Gründen nicht sagen. Und: „Ich will auch keine Schmutzwäsche waschen und lieber nach vorne schauen“, erklärt sie im KURIER-Gespräch. „Ich kann nur sagen, dass während ich auf der ,40 . . . und weiter’-Tour war, Altlasten auf mich zugekommen sind, wo ich die Verantwortung für Dinge übernehmen musste, die, während ich mit der Kreativ-Arbeit beschäftigt war, für mich, aber nicht in meinem Sinn entschieden wurden. Aber ich habe jetzt ein neues Management, bin damit extrem happy, und will lieber nach vorne schauen.“
Denn obwohl sie damals die Karriere hinschmeißen wollte, veröffentlicht sie heute das Album „Revolution der Liebeslieder“, mit dem sie die Gefühle und Erlebnisse in der Krise verarbeitet. „Irgendwann in dem Ausnahmezustand kam die Erkenntnis: Ihr habt mir Sicherheit, Geld und Vertrauen genommen. Aber meine Musik kriegt ihr nicht! Ich bin eigentlich ein lebensfroher Mensch. Für ein paar Monate habe ich das nicht mehr gehabt“, sagt sie. „Aber mit jedem Lied von diesem Album erobere ich es mir zurück. Denn ich will trotzdem so leben wie vorher, an das Gute im Menschen glauben und Hoffnung als Lebensperspektive haben. Ich will meine Entscheidungen aus Liebe und einem Urvertrauen heraus treffen – und nicht aus Angst.“
Fröhliche Sounds
Ein wichtiger Aspekt bei „Revolution der Liebeslieder“ war Regen deshalb die handgemachte Ausführung: „In Zeiten, wo KI mir meinen Beruf streitig macht, wollte ich, dass jeder Ton von einem Menschen gespielt wird.“ Ganz mit Absicht beginnt Regen das Album dem Song „Des Lebm ist schee“, der fröhlich Soul- und Gospel-Elemente aufgreift.
Der Wut über das Erlebte, das sie anderswo auf dem Album als Verrat bezeichnet, gibt die 41-Jährige in dem Song „Voodoo“ Raum. Aber wie so oft bringt Regen auch eine feministische Botschaft mit ein: „Wütende Frauen werden von der Gesellschaft schnell als hysterisch abgestempelt, und man nimmt sie nicht mehr ernst. Dann heißt es, Frauen haben ihre Gefühle nicht im Griff. Gleichzeitig dreschen Männer die halbe Stadt zusammen, wenn bei einem Fußballspiel nicht ihre Mannschaft gewinnt. Ich bin auch so erzogen worden, dass es sich für eine Frau nicht schickt, wütend zu sein. Aber Wut ist ein ermächtigendes Gefühl, sie muss nicht zwingend zerstörerisch sein. Ich finde es total wichtig, dass Frauen sich ihre Wut erlauben und sie als Kompass benutzen.“
„Schwimmflügerl“ hat Regen für die Mama geschrieben. Denn: „Meine Eltern haben mich in der schwierigen Phase nicht nur emotional, sondern auch finanziell unterstützt. Es ist immer noch schambehaftet für mich, darüber zu reden. Die Erkenntnis, dass ich 40 war, von außen gesehen erfolgreich, und trotzdem finanzielle Hilfe von den Eltern brauchte, fühlt sich an wie Scheitern.“
Über die Grenzen ihrer Komfortzone geht Regen mit dem Song „mmhmmm“, in dem sie weibliche Sexualität thematisiert. „Auch das ist etwas, das man einer Frau nicht erlaubt. Frauen mit 40, spätestens 50 werden in Filmen und der Öffentlichkeit aussortiert, weil sie dann als nicht mehr so schön gelten. Aber wir dürfen auch einen Wert haben, der von der äußeren Betrachtung abgekapselt ist, uns sexy fühlen, unsere Lust spüren und sie für uns einsetzen. Es hat Mut gebraucht, in der Öffentlichkeit so über Sexualität zu sprechen. Aber bei einem Album, das ,Revolution der Liebeslieder’ heißt, wollte ich dieses Thema nicht aussparen.“
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