"Frau Luna" in Baden: Mit Currywurst und Bio-Ketchup auf den Mond
"Frau Luna" in Baden.
Wohnungsnot, teure Mieten gab es in Berlin schon vor mehr als hundert Jahren. Was tun? Auswandern. Am besten gleich weit weg. Auf den Mond. Jules Verne hatte mit seinem Roman „Von der Erde zum Mond“ einen Hype auf den Erdtrabanten ausgelöst. Die Faszination dieses Himmelskörpers strahlte auch auf die Operette aus. Am 1. Mai 1899 brachte Lincke seine Mond-Operette „Frau Luna“ in Berlin zur Premiere.
Der Einakter schlug ein. Lincke baute ihn aus, die „Berliner Luft“ gilt ungebrochen als heimliche Hymne der deutschen Hauptstadt. Für die Bühne Baden bearbeitete Christian Struppeck das Libretto von Heinz Bolten-Baeckers. Das mag gefährlich fürs Original klingen, ist es aber nicht. Denn alles, was man an diesem Werk so schätzt, findet man in dieser Produktion.
"Frau Luna" in Baden.
Simon Eichenberger zeigt ein bezauberndes Science-Fiction-Märchen in der liebevollen Ausstattung von Charles Quiggin. Ein freundliches Mondgesicht, wie aus einem Bilderbuch, ein dunkelblauer Sternenvorhang ein futuristischer Palast auf dem Mond. Der Clou – eine Würstelbude als Raumschiff.
Anders als bei Lincke ist Steppke Erfinder und Currywurst-Verkäufer. Aus Frittierfett, Propangas und Bio-Ketchup entwickelte er einen Spezialtreibstoff für die Reise ins All. Ein Ballon in Form einer überdimensionalen Currywurst lässt Steppke und seine Gefährten, samt Schwiegertante Pusebach ins All aufsteigen. Am Mond Frau trifft er Frau Luna. Die verliebt sich in ihn, will die Welt zerstören, weil der Berliner seine Marie vorzieht.
"Frau Luna" in Baden.
Unterschiedliche Idiome auf der Bühne sind kein Problem. Der Schneider Lämmermeier wird zum Designer Lamberthofer (spielfreudig Simon Stockinger) aus Wien. Als solcher darf er Wienerisch reden und mit Steppke darüber streiten, ob ein Sackerl eine Tüte ist oder umgekehrt. Dennis Hupka verkörpert Steppke mit einnehmender Natürlichkeit und einer echten Berliner Schnauze. Sigrid Hauser haut als Frau Pusebach ordentlich auf den Putz, würde man in Berlin wahrscheinlich sagen. Mit Verve parodiert sie ihre Gesangsnummern.
Julia Koci, die bereits in der Volksoper 2013 die Titelrolle gespielt hat, ist eine reife Frau Luna, die sich zum dämonischen Vamp wandelt. Maximilian Mayer ist ein eleganter Prinz Sternschnuppe, der aus seinen Auftritten im historisierenden imperialen Kostüm alles herausholt. Mariella Hofbauer ist mit ihrem hellen, klaren Sopran der vokale Lichtstrahl in dieser Produktion. Ramesh Nair zeigt den Oberhaushofmeister Theophil mit viel Spielfreude und einem Überhang zum Musical. Riccardo Frenzel Baudisch ergänzt als Pannecke. Ivana Zdravkova betört als Venus.
Phänomenal sind die artistischen Leistungen von Maria Gschwandtner als metallene C-3PO- Kopie. Anna Rosa Döller ist eine anmutige Stella. Die kleineren Rollen sind gut besetzt, die Choreographien zeigen echtes Revue-Theater. Victor Petrov entfaltet mit dem Orchester der Bühne Baden Operetten-Flair, das von „Star War“-Einsprengseln gut bestrahlt wird. Ovationen.
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