Neuer Streit im Fenice-Theater: Mutis Sohn verzichtet auf Berater-Vertrag
Das Opernhaus La Fenice in Venedig kommt nicht zur Ruhe. Nach einem Streit um die designierte Musikchefin des renommierten Theaters, Beatrice Venezi, verzichtet Domenico Muti, Sohn des Dirigenten Riccardo Muti, auf sein dreijähriges Mandat als Berater. "Leider erlaubt mir das geschaffene Klima nicht, meinen Auftrag mit der nötigen Gelassenheit fortzuführen", erklärte Domenico Muti in einem Schreiben an den Intendanten des Teatro La Fenice, Nicola Colabianchi.
Domenico Muti schrieb, er habe beschlossen, von seinem Vertrag zurückzutreten, da es "unter diesen Umständen nicht mehr möglich ist zu arbeiten". Muti, der jüngste Sohn des Dirigenten, hatte vor einigen Monaten einen dreijährigen externen Vertrag unterzeichnet, der "strategische Beratung" im Hinblick auf internationale Tourneen vorsah. Domenico Muti erklärte zudem, er verzichte auf noch nicht erhaltene Vergütungen für seine bisherigen Leistungen für das Theater. Die Inanspruchnahme externer Beratungen durch das Opernhaus war von den Gewerkschaften kritisiert worden.
Gewerkschaften kritisieren externe Verträge
Der Auftrag an Muti sowie ein sechsmonatiger Beratungsvertrag mit einer externen Kommunikationsgesellschaft waren am Sonntag von den Gewerkschaften kritisiert worden: "Nicht die Person steht zur Diskussion, sondern die Entscheidung, externe Aufträge zu vergeben, die sich mit bereits vorhandenen Kompetenzen und Funktionen innerhalb des Theaters überschneiden könnten", betonten die Gewerkschaften.
Intendant Colabianchi kritisierte die Diskussion. Für ihn stellt Mutis Verzicht einen großen Rufschaden für das Opernhaus dar. Laut Colabianchi hätte die Arbeit von Muti "mindestens eine Million Euro pro Jahr für drei Jahre eingebracht - das haben wir verloren". "Eine Tournee ist Hunderttausende Euro wert, drei oder vier waren bereits in Planung", sagte der Intendant laut Medienangaben.
Die Diskussion erfolgt vor dem Hintergrund der Auseinandersetzungen um die Ernennung von Beatrice Venezi zur Musikdirektorin des Fenice-Theaters. Den Posten sollte sie ab kommenden Oktober übernehmen. Die 35-jährige Venezi wird von Colabianchi und Bürgermeister Luigi Brugnaro verteidigt, jedoch von den Orchestermusikern mit Flugblättern und Protestaktionen scharf bekämpft. Die Pianistin und Dirigentin war im September überraschend von Colabianchi zur musikalischen Leiterin des Theaters für die Zeit von Oktober 2026 bis März 2030 ernannt worden. Gewerkschaften und Teile des Orchesters protestierten daraufhin und äußerten Kritik sowohl am Auswahlverfahren als auch an Venezis Qualifikation.
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