Die österreichische Singer-Songwriterin Mira Lu Kovacs (Schmieds Puls) blickt in ihre   vielversprechende Zukunft

© Ina Aydogan

Kultur
07/21/2019

Mira Lu Kovacs: Eine Frau für alle Fälle

Die Musikerin spielt in mehreren Bands und hat heuer das Wiener Popfest mitkuratiert.

von Marco Weise

Zurzeit ist Mira Lu Kovac gleich mit zwei Songs in den FM4-Charts vertreten. Einerseits mit der international gefeierten Avantgarde-Jazz-Elektro-Formation 5K HD. Zum anderen mit My Ugly Clementine, einer rein weiblichen Indie-Rock-Combo der Leyya-Sängerin und Produzentin Sophie Lindinger, bei der sie als Gitarristin in der zweiten Reihe steht.

Diese zwei unterschiedlichen Projekte zeigen, welche musikalische Bandbreite die 31-jährige Wahl-Wienerin zu bespielen weiß. Das ist aber noch lange nicht alles: Denn Mira Lu Kovacs hat kürzlich mit dem Musiker Manu Mayr dem Belvedere eine eigene Klangidentität verpasst (der KURIER berichtete). Und dann ist sie noch Mastermind der Indie-Folk-Pop-Band Schmieds Puls, mit der 2013 alles begann.

 

Die talentierte Singer-Songwriterin bespielt die heimische Musikszene nach Belieben, ist Liebling der Kritik, Freigeist zwischen den Genres und überall gern gesehener Gast: Sie eröffnete 2018 etwa die Wiener Festwochen, trat unlängst bei der Kunst-Performance „Ganymed in Love“ im Wiener Kunsthistorischen Museum auf und wurde eingeladen, die heurige Jubiläumsausgabe des Popfest Wien zu kuratieren.

KURIER: Songs schreiben, Festival kuratieren und Konzerte spielen: Wie bringen Sie das alles unter einen Hut?
Mira Lu Kovacs:
Ich versuche gerade Tag für Tag mein Leben zu organisieren. Würde ich weiter vorausschauen, wäre ich wohl total überfordert. Tatsächlich muss ich mich oftmals siebenteilen, aber mit den richtigen Leuten an meiner Seite, geht sich das alles aus. Außerdem ist alles wahnsinnig gewinnbringend, erfüllend und ein großes Privileg, so vielschichtig und in so vielen unterschiedlichen Bereichen arbeiten zu dürfen.

Viel Freizeit bleibt da wohl kaum noch: Was ist mit Partys, zu denen Sie sicher des Öfteren eingeladen werden?
Es geht sich mit meinem Lebensstil ganz gut aus. Denn – wie soll ich das jetzt formulieren, um noch sympathisch rüberzukommen? – ich bin gerne mit mir selbst. Man trifft mich nicht auf jeder Party. Nicht deshalb, weil ich nicht gerne unter Menschen bin, sondern weil ich die Ruhe brauche und mein Schaffen reflektiere.

Haben Sie sofort zugesagt, als Sie gefragt wurden, das Popfest zu kuratieren?
Als mich die Verantwortlichen gefragt haben, ob ich das Popfest kuratieren möchte, habe ich nicht sofort zugesagt. Ich musste mir das erstmal gut überlegen. Nicht weil mich die Aufgabe nicht interessiert hätte, sondern weil man bei dieser Arbeit auch mit Kulturpolitik in Berührung kommt und viele Entscheidungen treffen muss, die einigen nicht gefallen.

Wollen als Kuratorin plötzlich alle etwas von einem?
An dem Tag, an dem Yasmo und ich als Popfest-Kuratorinnen verkündet wurden, bekam ich kurz nach der Presseaussendung die ersten Nachrichten. Alle möglichen Menschen kommen plötzlich mit Vorschlägen und Ideen und Bandnamen auf einen zu. Labels fragen an, ob man sich treffen kann, damit sie einem dann all ihre Acts präsentieren können.

Gibt es Menschen, die stets die Nähe zu Ihnen suchen, um im Fahrwasser Ihres Erfolgs mitschwimmen zu können?
Es passiert mir immer weniger. Früher ist mir das häufiger passiert, weil ich naiver gegenüber gewissen Situationen war. Mittlerweile habe ich mir eine Direktheit und in gewissen Situationen auch eine Unnahbarkeit zugelegt. Es sind sehr feine Filter, wo man mal mehr, mal weniger zulässt. Ich bin mir immer bewusst, wo ich und mit wem ich unterwegs bin.

Gab es von Anfang an eine Idee, wohin es unter der Leitung von Ihnen und Yasmin Hafedh alias Yasmo soundtechnisch gehen soll?
Es war von Anfang an ganz klar, in welche Richtung wir gehen wollen. Und so wird den Besuchern heuer ein Hip-Hop-lastiges Programm geboten. Das liegt einerseits an Yasmo, die ja selber rappt. Andererseits aber auch an meinem Musikgeschmack: Ich höre privat sehr viel Hip-Hop und R&B. Außerdem ist es ein Musikstil, der gerade sehr viel zu sagen hat, vom Mainstream genutzt wird und aus dem sehr viel Spannendes kommt.

Gab es bei der Bandauswahl ein gegenseitiges Vetorecht?
Klar, aber es kam nie zu so einer Situation, in der jemand den Vorschlag der anderen aus persönlichen Gründen ablehnen musste. Manchmal war es vielleicht so, dass der Vorschlag des anderen etwas weniger euphorisch beklatscht wurde, aber gröbere Meinungsverschiedenheiten gab es nie. Yasmo war und ist eine Traumpartnerin für diese Aufgabe.

Was muss man bei der Programmierung berücksichtigen?
Es gibt inoffizielle Regeln der Festivalleitung, die vermeiden sollen, dass zum Beispiel eine Band nicht jedes Jahr oder nicht jedes zweite Jahr auf der Seebühne spielt. Das ist aber alles total verständlich und nachvollziehbar, denn es sollen im Rahmen des Popfests immer wieder neue Bands präsentieren werden. Wenn man sich wiederholt, versucht man andere Schwerpunkte zu setzen, Band in einem anderen Kontext auftreten zu lassen. Und wenn eine Band zweimal hintereinander beim Popfest spielt, gibt es dafür auch immer gute Gründe. Im Falle von EsRAP, die vergangenes Jahr auf der Seebühne, die soundtechnisch nicht einfach zu bespielen ist, aufgetreten sind, wollten wir heuer unbedingt im Kuppelsaal bei besserem Sound hören. Außerdem bringen EsRAP bald ein neues Album raus.

Muss man eine gewisse Bundesländervielfalt bei der Programmierung berücksichtigen?
Klar möchte man nicht nur Bands aus Wien einladen, aber es gibt keine Bundesländer-Quote. In diesem Zusammenhang muss man auch sagen, dass viele Künstler aus der Provinz aus verständlichen Gründen auch nach Wien ziehen. Hier ist das Zentrum der österreichischen Musikszene. Wir wurden daher auch nicht mit Anfragen aus den Bundesländern überflutet – die meisten kamen noch aus Oberösterreich und Salzburg.

Gibt es auch Absagen von Seiten der Bands?
Es gab eine oder zwei Bands, die sehr freundlich abgesagt haben. Nicht alle wollen auf Gratis-Festivals spielen. Manchmal passt es für Bands auch nicht, in einem gewissen Rahmen, auf einer von uns vorgeschlagenen Bühne zu einer gewissen Uhrzeit aufzutreten. Das kann ich alles nachvollziehen.

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