Michael Douglas jetzt auf Netflix: „Die Kominsky Methode“ ist eine Comedy-Serie um einen gealterten Schauspiellehrer

© Michael Yarish/Netflix

Interview
11/23/2019

Michael Douglas: "Ich bin ein Überlebender"

Der Filmschauspieler über seine TV-Serie „Die Kominsky Methode“, seinen Vater Kirk Douglas, Krebs und die Liebe.

von Elisabeth Sereda

Mit 75 kann Michael Douglas von sich behaupten, seit 55 Jahren berühmt zu sein. Seine Karriere erlebt zurzeit ein neues Hoch mit der mehrfach ausgezeichneten TV-Serie „Die Kominsky Methode“. Privat hat er den Krebs besiegt und seine Ehe zu Catherine Zeta Jones gerettet. Ein Gespräch über Tragikomödie, Verlobungspannen, Kühe am Campus und dem Schatten von Vater Kirk.

KURIER: Finden Sie Humor im Altwerden?

Michael Douglas: Nur, weil ich diese Serie mache! Sonst finde ich es nicht zum Lachen. Aber ich bin dankbar. Ich verschwende keine Zeit. Ich bin im Oktober 75 geworden, ich habe realistisch betrachtet vielleicht noch 15 Jahre.

Realistisch haben Sie mehr, wenn man Ihre Gene bedenkt. Kirk ist…

Ja, mein Vater ist 102. Kürzlich hat er im Garten übernachtet. Er wollte nochmal Camping erleben.

Schaut sich Ihr Vater die Serie an? Findet er Sie gut in einer Komödie?

Er findet mich nicht sehr witzig.

Lag der Schatten von Kirk über Ihnen, als Sie dieselbe Karriere einschlugen?

Es war extrem schwierig. Es gibt nicht viele Kinder von Stars, die selbst erfolgreich werden. Und er hat nach 50 Jahren noch eine Karriere! Es hat sehr lange gedauert, bis ich aus seinem Schatten treten konnte und mich wie ein eigener, erfolgreicher Mensch gefühlt habe. Das war erst nach „Fatal Attraction“ und dem Oscar für „Wall Street“. Und es hatte sehr viel damit zu tun, dass die Karriere meines Vaters langsamer wurde, je älter er war. Er stammte aus der Generation, die fünf Filme pro Jahr machten. Als er begann, gab es das Fernsehen noch gar nicht. Ich kannte ihn ja auch nicht wirklich, weil meine Eltern geschieden waren. Erst später, als ich schon erwachsen war und etwas geleistet hatte, verstand ich ihn wirklich und konnte eine echte Beziehung zu ihm entwickeln. Er ist 102 und versprüht Unsterblichkeit!

Sie wollten ursprünglich nicht in die Fußstapfen Ihres Vaters treten. Wurden Sie deshalb nach dem Erfolg von „Die Straßen von San Francisco“ Produzent?

Absolut. Und ich hatte Glück, denn ich fand „Einer flog über das Kuckucksnest“.

Warum haben Sie zu produzieren aufgehört?

Es war die Zeit meiner Schauspielerfolge, „Basic Instinct“. „Fatal Attraction“, „Wall Street“. Ich bekam großartige Angebote und drehte einen Film nach dem anderen. Dann kam ich ins Büro und es wartete ein Stapel schlechter Drehbücher auf mich, die ich produzieren sollte. Ich war desillusioniert und dem Burnout nahe. Und dann lernte ich Catherine kennen, wir hatten Kinder, und ich wollte meine Zeit lieber mit der Familie verbringen als in Produktionsmeetings.

Wie schwierig ist für Sie das Krebsthema für Sie in der neuen Staffel?

Ich bin ein Überlebender, und es wäre schwieriger gewesen, wenn ich das spielen hätte müssen, während ich selbst noch Chemo mache. Aber so habe ich ein gutes Verständnis dafür und betrachte es als Schauspieler, der eine Rolle spielt.

In der Serie beginnt Ihre Tochter eine Beziehung mit dem wesentlichen älteren Paul Reiser. Erinnert Sie das an Ihre eigene Geschichte?

Ja, denn Catherines Vater ist drei Jahre jünger als ich! Sagen wir so, als ich ihm vorgestellt wurde, hat er mich etwas komisch angeschaut. Und später hielt ich um ihre Hand an und wollte seinen Segen, und beide, ihr Vater und ihre Mutter, sagten auf diese typisch britische Art: „Das ist ja wunderbar, wir sind froh, dass Ihr glücklich seid.“ Und dann setzte ich eins drauf und erklärte: „Und ich will Euch auch darüber informieren, dass Catherine und ich ein Kind erwarten.“ Da wurde es auf einmal sehr still. Ihre Mutter sagte nach einer Weile: „Dad, sag was.“ Und er meinte nur trocken: „Was soll ich sagen, die Katze ist wohl aus dem Sack.“

Ihre Ehe hatte ihre Aufs und Abs. Wie fanden Sie eine Balance?

Ehen überleben nur, wenn beide Teile sie auch erhalten wollen. Liebe ist für uns eine Selbstverständlichkeit, aber je älter wir werden, desto mehr schätzen wir einander, desto mehr sind wir uns bewusst, dass unsere Ehe ein Geschenk ist.

Was ist das Verrückteste, das Sie je im Job gemacht haben?

Das war während der Dreharbeiten zu „Black Rain“ in Japan. Der Regisseur Ridley Scott wollte, dass ich an einer Flammenwand vorbeirenne. Ich rannte aber durch, weil ich dachte, dass das eine Art Spezialeffekt war und nur ein ganz dünner Brand. Irgendwie schaffte ich es, aber dass ich nicht verbrannt bin, grenzt an ein Wunder. Ridley schüttelte nur den Kopf.

Verrückte letzte Frage: stimmt es, dass Ihr Haus 8 Schlafzimmer und 18 Toiletten hat?

Naja, wenn du gehen musst, musst du gehen.

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