Michael Bublé macht in der Wiener Stadthalle das, was er am besten kann: unterhalten und verführen.

© APA/HERBERT PFARRHOFER

Der Frauenschwarm kann auch noch singen
11/06/2014

Der Frauenschwarm kann auch noch singen

Dem kanadischen Superstar flogen in der Wiener Stadthalle die Herzen zu.

von Marco Weise

Pauken kündigen ein Unheil an, Stichflammen schießen am Mittwochabend aus dem Bühnenboden der Wiener Stadthalle. Als das Scheinwerferlicht auf einen kleinen Spalt im Vorhang fällt, tritt der zierliche Michael Bublé hervor und eröffnet den Abend mit einer Coverversion von "Fever". Das weiße Hemd ist frisch gebügelt, der Anzug ist maßgeschneidert und das Mascherl sitzt korrekt. Ja, so soll er wohl aussehen, der Musterschwiegersohn.

Der kanadische Sänger, der zum zweiten Mal innerhalb von zehn Monaten in Wien zu sehen ist, tänzelt beim Singen immer wieder mit seinen polierten Lackschuhen elegant und federleicht über den Bühnenrand. Hin und wieder wagt er auch einen Ausfallschritt - huch! -, was die Damen in den vordersten Reihen aus den Sesseln hebt.

Hinter seinem Rücken arbeitet sich eine rund 15-köpfige, großartig eingespielte Band spielerisch durch das American Songbook. Bühnenelemente verschieben sich und werden von Regenbogenfarben ausgeleuchtet. Bublé schafft gerade mal drei Songs in 20 Minuten. Dazwischen gibt der ehemalige Elvis-Imitator, Musicaldarsteller und Hochzeitssänger die gutgelaunte Plaudertasche. Anekdoten werden erzählt, auf Zwischenrufe aus dem Publikum reagiert er ironisch und witzig. Der Mann ist ein Profi, ein Schauspieler, Entertainer und charmanter Schwindler, auf den die anwesenden Damen liebend gerne reinfallen würden.

Der Crooner will tanzen

Bublé versucht erst gar nicht gegen das Image als Ersatz-Sinatra anzukämpfen. Am Barhocker neben dem Klavier sitzend, gibt er den smarten Crooner. Dazu jazzt, groovt, swingt und soult sich die Rhythmusgruppe durch den Abend. Stimmlich gefestigt singt der Kanadier mit italienischen und kroatischen Wurzeln Sinatra-Klassiker wie „Come Dance With Me“ und „You Make Me Feel So Young“. Dazwischen streut der mehrfache Grammy-Preisträger seine eigenen Songs („Home“) und diverse Coverversionen wie zum Beispiel „Crazy Love“ von Van Morisson ein. Das Bühnenbild ist reduziert, das Licht gedämmt, im Hintergrund werden gefühlsverstärkende Videos gezeigt. Jetzt würde man gerne das Whisky- oder Rotwein-Glas schwenken und nicht das schale Bier aus dem Plastikbecher trinken.

KONZERT "MICHAELBUBLE" IN DER WIENER STADTHALLE.

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KONZERT "MICHAELBUBLE" IN DER WIENER STADTHALLE.

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AUSTRIA MUSIC

KONZERT "MICHAELBUBLE" IN DER WIENER STADTHALLE.

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KONZERT "MICHAELBUBLE" IN DER WIENER STADTHALLE.

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AUSTRIA MUSIC

Im letzten Drittel der Show will Bublé tanzen und ein bisschen Party feiern. Zu diesem Zweck geht es ab zum Podium in der Mitte der Stadthalle. Davor wollen noch Hände geschüttelt und Frauen angeflirtet werden. Mit der tollen Vokalgruppe Naturally 7, die auch als Vorband agierte, geht Bublé auf Tuchfühlung mit seinen Fans. Bei einem Medley, bestehend aus „Get Lucky“ von Daft Punk und „Happy“ von Pharrell Williams, gibt es dann kein Halten mehr. Das Publikum versucht klatschend im Takt zu bleiben, wackelt ungehemmt mit dem Popo und hält das Smartphone in die Richtung der Begierde. Das Glück muss eingefangen und sofort mit den Freunden im sozialen Netz geteilt werden. Blöd nur, dass man in der Stadthalle kaum Empfang hat.

Konfetti-Kanonen

Mit „Save The Last Dance For Me“ von Ben E. King geht es dann zurück zur Bühne. Beendet wird dieser Rückmarsch mit "All You Need Is Love" von den Beatles. Überall im Saal werden Konfetti-Kanonen gezündet – Tausende Papierherzen flattern durch den Raum. Wenn schon Kitsch, dann ordentlich. Zum Abschied gibt es noch den Welthit "It’s A Beautful Day" und eine Lehrstunde in Sachen Romantik. Ganz intim, ohne musikalische Begleitung, Mikrofon und teilweise knieend beendet er „Song For You“. So sollen wohl Heiratsanträge aussehen.

KURIER-Wertung:

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