ORFIII feiert heute sein Jubiläum mit Rückblicken auf Programmhighlights. Im Juni übertrug der Sender „Aus dem Belvedere: Das große Klassik-Open-Air“

 

© ORF/Roman Zach-Kiesling

Kultur Medien
10/26/2021

Zehn Jahre ORFIII: Die öffentlich-rechtliche Nische

ORF-General Alexander Wrabetz über den Spartensender für Kultur und Information und die Frage, warum das eine Nische ist.

von Philipp Wilhelmer

Es war die selbstbewusste Gründung einer öffentlich-rechtlichen Nische: Symbolkräftig am Nationalfeiertag 2011 nahm ORFIII seinen Betrieb auf. Heute feiert er sein zehnjähriges Jubiläum und der Generaldirektor, der ihn ins Leben rief, Alexander Wrabetz, nimmt mit Jahresende Abschied vom ORF.

Der ideale Zeitpunkt für ein Resümee über Quotenerfolg und die Frage, ob nicht der ganze ORF eher so sein sollte wie das Spartenprogramm ORFIII.

KURIER: Der Sender heißt „ORFIII Kultur und Information“ – was überwiegt für Sie persönlich? Die Kultur oder die Information?

Alexander Wrabetz: Die Kultur ist stark – die Dokumentation geht da meiner Ansicht nach etwas unter. Wir haben den Sender mit den neu aufgelegten, digitalisierten Portisch-„Österreich II“-Folgen gestartet. Daraus ist bis heute eine Reihe von 280 Dokumentation zur österreichischen Zeitgeschichte, aber auch zu internationalen Fragen geworden. Mit Portisch, aber auch einer ganzen Generation von neuen Gestaltern.

Wenn man es sehr zuspitzen wollte, könnte man sagen: ORF III ist der ORF, den wir uns alle wünschen: Keine Dutzendware, keine billige Unterhaltung ...

Ich würde in Abrede stellen, dass der Rest des ORF nicht so ist. Aber der ORF hat natürlich auch ein breites Unterhaltungsgebot. ORF III war auch ein Versuch, die Diskussion darüber zu beenden, ob man genug im Bereich Kultur oder Dokumentation macht, indem man dem Thema einen ganzen Sender widmet. Es war mein Ziel, ein Ö1 im Fernsehbereich zu schaffen.

Gute Analogie: Auch „Ö1“ steht „Ö3“ gegenüber, einem kommerziellen Giganten in der Radioszene. Ist das nicht generell ein Problem, das der ORF immer hat: Alles machen zu wollen? Jetzt auch digital?

Meiner Ansicht nach kann öffentlich-rechtlicher Rundfunk nur funktionieren, wenn er grundsätzlich für alle etwas bietet, die dafür bezahlen. Und durch ORF III sind unsere anderen TV-Sender ja nicht weniger kultur- und informationsaffin geworden – sondern mehr. Es ist ein konzerninterner Wettbewerb um öffentlich-rechtliche Inhalte gelaufen. Die historischen Dokus haben wir zum Beispiel in ORF 2 nicht zurückgenommen, sondern mit „Universum History“ sogar ausgebaut. Wir haben auch in ORF 2 noch mehr Klassikübertragungen. Das ist ein wechselseitiges Befruchten. Und für Ö3 nehme ich in Anspruch, dass der Sender in der Informationsleistung oder Aktionen wie für „Licht ins Dunkel“ sehr eindrucksvoll zeigt, dass auch ein Sender mit populärer Musik wichtige Botschaften transportieren kann.

Die Gebühren werden erhöht. Damit einher geht eine Erhöhung des Budgets für ORF III. Wie groß kann der Spartensender werden?

Ich glaube, dass die jetzige Größenordnung von 2,8 bis drei Prozent Marktanteil die richtige Größenordnung für das Programmprofil ist. Das ist schon sensationell: Als wir den Sender gegründet haben, dachten wir, dass es ein Erfolg wäre, wenn wir bei 1,5 Prozent Marktanteil landen. Jetzt liegen wir bei drei Prozent. Wir haben im Schnitt 900.000 tägliche Zuschauer. Ich wünsche ORF III, im nächsten Jahr die Million zu erreichen. Das wäre das Traumziel, das im Jahresschnitt zu erreichen.

Wer ist Ihrer Ansicht nach die größte Entdeckung des jüngsten Senders der ORF-Flotte?

Es geht vor allem darum, dass hervorragende Leute aus dem ORF sich neu definiert und erfunden haben. Dass Barbara Rett mit „Erlebnis Bühne“ da noch einmal einen ganzen Kultursender aufbaut, repräsentiert und dafür steht, war toll. Dasselbe gilt für Ingrid Thurnher, die die ganze Infoleiste geschaffen hat. Und: Das wir das Spätwerk von Hugo Portisch gestaltet haben. Rund um diese Persönlichkeiten haben sich ganz hervorragende junge Leute wie Peter Fässlacher oder Ani Gülgün-Mayr sowie Menschen die hinter der Kamera stehen, wie Zeitgeschichtechef Ernst Pohn, etabliert.

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