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Wiener Festwochen: Warum die Eröffnung so spät im Fernsehen ist

Bisher live, heuer erst um 22.35 Uhr. Sind die Quoten schuld? Oder der Auftritt eines Esoterikers? Der KURIER fragte beim ORF nach.
 Günter Roiss, Herwig Zamernik, Milo Rau, Veronica Kaup-Hasler, Lara Hulo, Steve Katona, Marichka Shtyrbulova und Martin Traxl

Die Eröffnung der Wiener Festwochen war einmal jenes Event, an dem die Großkulturveranstaltung sich an die breite Öffentlichkeit wendete: Die Gratisaufführung, traditionell am Rathausplatz, war eine Einladung, sich nach einem möglichst breiten Programm mit dem zuweilen weniger breiten Festwochenangebot auseinanderzusetzen.

Dementsprechend war die Eröffnung auch ein Fernsehevent: Der ORF übertrug live ab 21.20 Uhr. Das ist heuer anders.

Festwochen-Chef Milo Rau eröffnet am Freitag - wegen des Song Contests um eine Woche später und nicht am Rathaus-, sondern am Heldenplatz - die heurige Ausgabe mit dem Thema „Republic of Gods“. Beginn vor Ort ist wieder um 21.20 Uhr. Angekündigt ist ein buntes musikalisches Programm von Singer-Songwriter über Oper bis Black Metal. Zwischen Reden und Musik am Heldenplatz wird es auch esoterisch. Denn der Kroate Braco, eigentlich Josip Grbavac, soll zwischen den Darbietungen seinen "gebenden Blick“ auf die erwarteten 50.000 Besucherinnen und Besucher richten.

ORF 2 zeigt das Ganze aber erst ab 22.35 Uhr - für einen Freitagabend alles andere als ein guter Sendeplatz (parallel läuft auf ORF 1 eine Spezialausgabe von "Was gibt es Neues?). Der KURIER hat beim ORF nachgefragt, warum die Sendung ins Nachtprogramm verrückt wurde - waren die Quoten zuletzt schlechter? Oder ist das ein Signal, dass die Eröffnung nicht mehr so breitenwirksam ist wie früher?

"Der ORF nimmt die Wiener Festwochen als wichtiges Kultursignal umfassend in seinen Programmen wahr, besonders im heurigen Jubiläumsjahr", hieß es aus dem Haus, unter Hinweis auf mehrere Programmpunkte zum Festival. "Angesichts der ESC-bedingten terminlichen Verschiebung gab es auch eine Veränderung der Orte - sowohl beim Veranstaltungsort als auch beim Sendeplatz. Wir sind uns sicher, dass die Übertragung auch in dieser Konstellation ein Erfolg wird."

Sorgt man sich, dass der Auftritt des kroatischen Esoterikers Braco nicht den öffentlich-rechtlichen Kriterien entspricht? "Die Wiener Festwochen sind seit vielen Jahren ein wichtiger Kulturpartner des ORF. In diesem Rahmen wird auch die Eröffnung regelmäßig übertragen", heißt es vom ORF. 

"Die Programmgestaltung sowie die Auswahl der Mitwirkenden liegen allein in der künstlerischen Verantwortung des Veranstalters, der das finale Programm und dessen Inszenierung dem ORF oft erst in der Veranstaltungswoche endgültig vorlegen kann. Generell gelten für die Ausstrahlung selbstverständlich die redaktionellen Leitlinien. Sollten Inhalte diesen widersprechen, wird im Rahmen der live-zeitversetzten Übertragung entsprechend reagiert."

"Kleine Scherze, wie zum Beispiel den gebenden Blick von Braco - ich würde sagen, die längste Stille in der Geschichte des ORF - gestehen wir uns dann doch ein", sagt Rau, dessen Konzept umfasst, mit umstrittenen Positionen und Darbietenden für Aufsehen zu sorgen. Dass ein öffentlich finanziertes Festival einer derart unwissenschaftlichen Position eine Bühne bietet, fügt sich hier nahtlos ein.

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