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Kultur Medien
03/05/2020

Warum Ex-Trump-Sprecher Spicer der SPÖ-Chefin Mut zusprach

Sean Spicer und andere Promis sagen auf der US-Plattform "Cameo" für Geld Grußbotschaften auf. Rudi Fußi hat das für einen Scherz in seiner Satireshow "Bussi Fussi" genützt.

von Peter Temel

Sean Spicer erlangte mit einem Auftritt Berühmtheit – wenn auch zweifelhafte. Am 21. Jänner 2017, dem Tag nach Donald Trumps Amtseinführung als US-Präsident, sagte Spicer als dessen Sprecher im Weißen Haus: "Dies war die größte Menschenmenge, die jemals eine Amtseinführung miterlebt hat, Punkt - sowohl persönlich als auch in aller Welt." Obwohl Fotos das Gegenteil bewiesen.

Diese Art der Darstellung ging durch die Verteidigungslinie der damaligen Trump-Beraterin Kellyanne Conway als "alternative Fakten" in die Wörterbücher ein.

Mittlerweile ist Spicer längst aus dem Weißen Haus ausgeschieden, aber ein großer Faktenprüfer scheint er noch immer nicht zu sein.

"Yes we Pam"

Spicer, der seine kommunikativen Dienste stets für konservative Republikaner ausübte, schickte zuletzt Durchhalteparolen an eine Sozialdemokratin aus Österreich, ohne es zu wissen.

Verantwortlich für den Scherz ist Politikberater Rudi Fußi, also gewissermaßen ein Branchenkollege Spicers und neuerdings Late-Night-Moderator auf Puls24. In der Premierensendung von „Bussi Fussi“ ließ er Spicer folgendes aufsagen: "Hey, Pam! Ich hab gehört, dass du richtig harte Zeiten durchlebst, aber Rudi will dir sagen, dass er hinter dir steht. Number one supporter, großartiger Typ. Uns ist kein Berg zu hoch. Yes we Pam!"

Davor wurde ein Fake-Werbefilmchen gezeigt, mit dem sich Fußi an die Spitze einer nicht besonders ernst gemeinten #YesWePam-Bewegung stellte, die SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner bei der aktuellen Mitgliederbefragung unterstützen soll.

Promis sagen für Geld Texte auf

Wie Fußi es gelang, Spicer "Yes we Pam" sagen zu lassen? Er buchte ihn über die US-amerikanische Videoplattform Cameo. Dort kann man für eine Registrierung und einen entsprechenden Geldbetrag zirka halbminütige personalisierte Grußvideos von Promis bekommen. Für die Oma, Freunde oder für den Partner oder die Partnerin. Unter den Referenzvideos Spicers finden sich nicht nur das erwähnte Video "von Rudi für Pamela", sondern etwa auch Valentinstagsgrüße "von Beth für Brian“. Im Hintergrund sieht man einmal ein Büro, dann wieder den Regierungsbezirk von Washington, Spicers ehemalige Wirkungsstätte.

Rund 200 Dollar muss man für so ein Filmchen hinlegen. Für diesen Scherz in seiner Satire-Show "war’s mir das wert", sagt Fußi. Es habe keinerlei Nachfragen gegeben, in welchem inhaltlichen Zusammenhang die Grußbotschaft steht, meint er. 

Zugegeben: Dieser Text hätte auch genauso gut für Grüße an eine Tante, der es gerade nicht so gut geht, gedacht sein können.

Valentinstagsrabatt

Was den Preis betrifft, hatte Fußi noch Glück: Denn kurz vor dem Valentinstag hat Spicer für den gesamten Februar auf Instagram einen "großartigen Rabatt" von 50 Prozent verkündet. Weil seine Videos ("Die beste Art jemandem zu sagen, dass man ihn liebt") üblicherweise 400 Dollar kosten würden, schrieb Spicer im Stile eines Teleshop-Verkäufers.

 

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Von Snoop Dogg bis Stormy Daniels

2016 wurde Cameo gegründet. Zu den bekanntesten Promis auf der Plattform zählen Rapper Snoop Dogg (750 Dollar) und die American-Football-Legende Brett Favre (400 Dollar). Am teuersten verkauft TV-Celebrity Caytlin Jenner ihre Stimme: Für wohlfeile 2.500 Dollar pro Videogruß.

Die Promis aller Kategorien können laut Cameo ihren Preis selbst bestimmen. Pornostar Stormy Daniels, die mit einer angeblichen Affäre mit Donald Trump dem US-Präsidenten ziemlich unangenehme Schlagzeilen einbrachte, veranschlagt immerhin 250 Dollar für teilweise ziemlich explizite Botschaften.

Gerade ihr Beispiel zeigt, dass die "Celebs" so ziemlich alles einsprechen, was gefordert wird. So richtete sie Couch Potato Cody ("Ich hab' dein Foto gesehen") auf Wunsch von Alex aus, dass sie mit ihm niemals Oralsex praktizieren würde, selbst wenn das die Heilung für eine tödliche Krankheit wäre. Er solle gefälligst die Wasserpfeife weglegen und joggen gehen.

Ein Viertel der Einnahmen an solchen Botschaften geht jeweils an Cameo.

Spender Spicer

Einige der Celebritys wollen mit ihren Cameo-Aktivitäten tatsächlich Geld verdienen, manche geben an, die Einnahmen für einen guten Zweck zu verwenden. Sean Spicer etwa sagt, er spende das gesamte Geld für Armeeveteranen in Not.

Persönlichkeiten aus dem Politbetrieb wie Spicer sind dabei freilich in der Unterzahl. Einer davon ist Anthony Scaramucci. Er war im Juli 2017 immerhin elf Tage lang Kommunikationsdirektor im Weißen Haus."Sagt nicht zehn Tage, das verletzt meine Gefühle!" schreibt "The Mooch" auf seinem Cameo-Profil, wo er seine Botschaften, sogenannte "shout-outs", um 100 Dollar anbietet.

Vielleicht ist es eine kleine Genugtuung für Spicer, dass für Scaramuccis Videos, verglichen mit seinen, derzeit nur die Hälfte zu bezahlen ist. Denn als ihm Trump damals "The Mooch" als Kommunikationsdirektor vorsetzen wollte, hatte es Spicer endgültig gereicht, woraufhin er damals seinen Sprecherjob im Weißen Haus an den Nagel hängte.

Weg vom politischen Parkett

Während Scaramucci mittlerweile Twitter-Fehden mit Trump führt und zu jenen gehört, die den Republikaner aus dem Weißen Haus jagen wollen, ist Spicer über ein ganz anderes Parkett gerutscht. Als eine Art US-Ausgabe von Stefan Petzner quälte er sich acht Wochen lang durch die ABC-Show "Dancing With The Stars". Nicht nur seine Teilnahme an sich wurde kritisiert, sondern auch die Tatsache, dass Spicer trotz miserabler Tanzleistungen immer wieder weitergewählt wurde.

Und was macht Rudi Fußi? Er schraubt weiter an seiner Polit-Satireshow (jeden Donnerstag, 21:20), die bei der ersten Ausgabe nur rund 5.000 Zuseher anzog. Den "Yes we Pam"-Gag werde er jedenfalls nicht weiterführen.

Also wird man auf einen "The Mooch" als "Pam"-Supporter vergeblich warten müssen. Rendi-Wagner wird’s verschmerzen.

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