Verleger der "Washington Post" scheidet nach Entlassungswelle aus

Verleger der "Washington Post" scheidet nach Entlassungswelle aus
Will Lewis war erst 2023 in das Amt berufen worden, um die Zeitung finanziell zu sanieren. Diese Woche wurde ein massives Kündigungspaket bei der "Post" bekannt.

Der Verleger und Vorstandschef der "Washington Post", Will Lewis, verlässt die Zeitung. Dies teilte das Blatt am Samstag (Ortszeit) mit. Sein Rücktritt folgt auf eine Entlassungswelle in dieser Woche. "Während meiner Amtszeit wurden schwierige Entscheidungen getroffen, um die Zukunft der 'Post' zu sichern", schrieb Lewis in einer von der Zeitung veröffentlichten Mitteilung an die Mitarbeiter.

Der Finanzchef der Zeitung, Jeff D'Onofrio, werde das Amt des Verlegers und Vorstandschefs kommissarisch übernehmen, hieß es weiter. Die Zeitung gehört Amazon-Gründer Jeff Bezos. Lewis, ein ehemaliger Leiter von Dow Jones und Verleger des "Wall Street Journal", war erst 2023 in das Amt berufen worden.

Lewis sollte Zeitung finanziell sanieren

Lewis, ehemaliger Verleger des „Wall Street Journal“, war 2023 zur „Washington Post“ gewechselt, als sie hohe finanzielle Verluste verzeichnete. In seine Amtszeit fielen mehrere Entlassungsrunden und der Verlust von Hunderttausenden Abonnenten und Abonnentinnen. Das war eine Folge davon, dass die Zeitung aufgehört hatte, Wahlempfehlungen für US-Präsidentschaftskandidaten auszusprechen, und sie ihrem Meinungsteil eine libertäre Ausrichtung gab.

Immer wieder wurde Lewis mangelnde Anwesenheit vorgeworfen. Auch die Entlassungen vergangenen Mittwoch wurden von einem führenden Redakteur verkündet – ohne Beisein von Lewis. 

An dem Tag war bekanntgeworden, dass das fast 150 Jahre alte Traditionsblatt wegen wirtschaftlicher Einbußen heftige Sparmaßnahmen einleitet. Etwa ein Drittel der Belegschaft wird Medienberichten zufolge entlassen, darunter rund 300 Journalisten. Betroffen sind demnach unter anderem die Sportredaktion, das Literaturressort und die Auslandsberichterstattung. In der Belegschaft und in der Branche allgemein stieß das auf viel Empörung und Kritik. Die Mitarbeitervertretung der Zeitung stellte die Frage, ob Amazon-Gründer Jeff Bezos als Eigentümer noch bereit sei, in die Aufgabe zu investieren, die das Blatt als unabhängiges Medium seit Generationen auszeichne. Bezos will laut Chefredakteur Matt Murray als Eigentümer an der Zeitung festhalten.

Kritik an Bezos und Lewis

In einer Stellungnahme der „Washington Post“ zum Herausgeberwechsel betonte Bezos, die Zeitung habe eine zentrale journalistische Aufgabe. Daten zeigten dem Unternehmen, worauf es sich konzentrieren solle, erklärte er.  Die „Washington Post“ gehört dem Multimilliardär seit 2013. Zuletzt hatte es wiederholt Kritik an seiner Rolle in der Zeitung gegeben, angesehene Journalisten verließen das Blatt. Für Schlagzeilen hatte etwa gesorgt, dass sich Bezos vor der US-Wahl im November 2024 gegen die Veröffentlichung einer bereits verfassten Wahlempfehlung für Donald Trumps Kontrahentin Kamala Harris entschied. Wahlempfehlungen wie diese sind in US-Medien üblich. 

Auch Lewis wurde US-Medien zufolge schon länger von Mitarbeitern der Redaktion kritisiert, ihm wurde etwa mangelnde Anwesenheit vorgeworfen. Für besondere Empörung sorgte demnach, dass er auch bei der Ankündigung der Entlassungen diese Woche nicht dabei war.

 „Post“-Reporter deckten Watergate-Skandal auf 

Die „Washington Post“ hat mehr als einmal Geschichte geschrieben. Eine Sternstunde erlebte sie Anfang der 1970er Jahre, als die Reporter Carl Bernstein und Bob Woodward den Watergate-Skandal aufdeckten, der zum Rücktritt von US-Präsident Richard Nixon führte. 

Kommentare